Freitag, 8. November 2013

Viel Frühlings-Action

Hi Leute,

hiermit erweise ich auch dem November die Ehre, in meiner Blog-Chronik aufzutauchen. November! Schon! Oder: erst? Keine Ahnung. Meine neue Umgebung ist mir mittlerweile schon so vertraut, dass der Alltag die Tage wie ein Weltmeister vom Kalender reist. Und jeder einzelne davon besteht nach wie vor aus 24 Stunden Erlebnis pur, was vielleicht schwer vorstellbar, aber Tatsache ist. Die ein oder anderen Ereignisse stechen natürlich besonders heraus. Heute beginne ich mal abseits vom Projekt.

Der Bluebird-Market findet jeden Freitag in der Bluebird-Garage Muizenberg statt und platzt jede Woche wieder aus allen Nähten - vor Leuten und Waren gleichermaßen. An einem Bücherstand sind meine Augen am Titel "Hiking in Cape Town" hängengeblieben und haben im Index das Kapitel "Muizenberg Cave" entdeckt. Der Text hat nicht weiter interessiert, nachdem die ersten Zeilen schon von einer Höhle irgendwo in den Bergen erzählten. Allein die Karte daneben wurde mit einer Handykamera abgelichtet und es stand fest: da müssen wir hin!

Ein Blick aus dem Fenster am Wandertag verriet: oha, Nebel. Nach einigem Hin und Her sind wir dann aber trotzdem losgezogen, Alex, Nils und ich. Kaum hatten wir die ersten Höhenmeter hinter uns gelassen, waren wir nicht nur klatschnass von der Wolke, in der wir uns von da an befanden, sondern hatten auch noch gerade mal zehn Meter Sicht. Weil es aber trotzdem warm war und wir am Fuße des Berges eine detailliertere Karte auf einem Schild gefunden hatten, sind wir motiviert weitergegangen. Erst über den Gipfel des St James Peak, dann über ein riesiges Plateau. So muss es jedenfalls laut der Karte gewesen sein, in Wirklichkeit hatten wir ja nicht den Hauch einer Ahnung, wo wir uns eigentlich gerade befanden, abgesehen von den sechs Quadratmetern um uns herum. 
Gipfel des St James Peak
So wurden aus der Stunde, die auf dem Schild als Laufzeit angegeben war, gute drei Stunden des Herumirrens im Irgendwo. Ich hatte dabei (zugegebenermaßen) ständig behauptet, jetzt endgültig den richtigen Weg gefunden zu haben, nur um mich nach ein paar Kilometern Marsch wieder dagegen zu entscheiden; wurde dann aber von der Besatzung dreier Bergwacht-Jeeps (Stunden später) eines Besseren belehrt. Der Ranger am Steuer hatte sichtlich Spaß an uns drei Witzbolden, die an der richtigen Abbiegung eigentlich schon fünfmal vorbeigestiefelt sind. Den Job als Navigator hab ich an den Nagel hängen dürfen, aber wenigstens wussten wir jetzt, wo die Höhle war - und die Suche hat sich gelohnt! Minuten später standen wir schon vor der gewaltigen Öffnung der Muizenberg Cave, in der wir später auf allen Vieren irgendwelche engen Tunnel rauf- und runtergerobbt sind, bewaffnet einzig und allein mit einer Minifunzel von Taschenlampe und zwei dreckigen Nokia-Displays zur Beleuchtung.
Die Klamotten waren das Nächste, was wir den Nagel hängen konnten, aber dafür hatten wir unseren Spaß. Beim Aufstieg waren uns noch drei alte Leute mit Hund begegnet, im Begriff umzudrehen, die uns von unzähligen Caves in den Bergen bei Kalk Bay erzählt hatten. Denen wollen wir jetzt natürlich auch mal einen Besuch abstatten, vielleicht aber dann bei Wetterverhältnissen, die auch ein Foto auf fünf Meter Distanz zulassen. ;D

Wer sich an die Fußball-WM 2010 in Südafrika erinnert, vermisst bei aktuellen TV-Übertragungen vielleicht auch noch den alles-übertönenden Bienenstock-Sound der Vuvuzelas. Wie sowas Stimmung machen kann, war mir damals ein Rätsel - jetzt hängt eine der Tröten in meinem Zimmer. Wie's kommt?
Ajax Cape Town ist momentan der einzige Erstliga-Fußballclub hier im Western Cape und als "Fahrstuhl"-Mannschaft eigentlich ständiger Außenseiter. Diese Saison mischt Ajax wieder in der PSL mit und empfing vergangenen Dienstag die legendären Kaizer Chiefs aus Johannesburg, neben den Orlando Pirates der eigentlich einzige namhafte Club in Südafrika. Zu diesem Anlass ließ man im Cape Town Stadium, der einstigen WM-Spielstätte den Ball rollen. Tickets für die Spiele gibts in jedem Supermarkt für umgerechnet gute 5€. (FÜNF EURO! In einem 80.000er-Stadion! Daran könnten sich die Bundesliga-Stadionbetreiber mal ein Beispiel nehmen!). Da waren wir Centre-Freiwillige natürlich nicht weit. Wir erlebten ein bis zum Ende spannendes und überraschenderweise ausgeglichenes Spiel, das mit der Sensation endete: in der Schlussphase fiel tatsächlich das 1-0 Siegtor für Kapstadt!

Die Gäste-Fans, die im Stadion deutlich in der Überzahl waren (kaum jemand ist NICHT Chiefs- oder Pirates-Fan), waren plötzlich still - damit hätte keiner gerechnet. Trotzdem war die Stimmung von der ersten bis zur letzten Minute da und manche Blocks waren quasi nur dazu da, um zur Tanzfläche umfunktioniert zu werden. Am nächsten Morgen galten die Schlagzeilen nur noch dem kapstädter Sieg im David-gegen-Goliath-Match. Es war insgesamt ein sehr aufregender Abend und ich war bestimmt nicht das letzte Mal bei einem Ajax-Spiel!

Was wir alles in unserer Freizeit erleben, verdienen wir uns unter der Woche natürlich hart in den Townships.
Stellt euch bitte mal 320 Fußmatten-artige Teppiche vor, die aneinandergereiht eine große Teppich-Fläche ergeben. Fertig? Okay, so sieht unsere Terasse im Educare aus. Jedenfalls VOR der Outdoor-Playtime. Danach kommt es einem vor, als hätte jemand versucht, den überdachten Bereich mit einer LKW-Ladung Sand zu verdecken - ernsthaft: Kinder sind manchmal richtige Dreckspatzen. Warum nicht einfach den Sandkasten auf die Terasse verlegen, dann ist es nicht so weit zur Toilette? Naja, jedenfalls kann die tägliche Halbwüste vor der Haustür nicht bleiben und muss stets beseitigt werden. Geputzt wird, wenn die Kinder schlafen. Das Ganze teilt sich in den Abwasch vom Mittagessen, Wischen in den Toiletten und eben der Teppichreinigung draußen auf. Ich übernehme meistens letztere Aufgabe, was mittlerweile aber irgendwie als selbstverständlich angenommen wird.
Im Vordergrund kann man einen kleinen Teil der
Teppich-Terrasse sehen, frisch ausgeschüttelt.
Nun ist es ja so, dass hier gerade der Sommer kommt und die Kinder immer mittags (!) schlafen. Deshalb verbringe ich halt die heißesten Stunden am Tag damit, hunderte Teppiche einzeln aufzuheben, zu schütteln und wieder an ihren rechten Platz zu legen. Das ist einigermaßen anstrengend, aber ich beklage mich keinesfalls. Nach so viel Action am Vormittag ist es eigentlich immer genau das Richtige, um sich seinen "Feierabend" verdient zu machen und sonderlich viel denken muss man dabei auch nicht.
Konzentration ist viel mehr in meinem neuen Job als Masseur gefragt. Ein fünfteiliger, wöchentlicher Workshop hat uns Freiwillige dazu ausgebildet, Kinder (im Speziellen) zu massieren. Das Ganze beruht auf der Idee, verhaltensauffälligen Kids durch Berührung neue Möglichkeiten zur Entfaltung zu geben. Gut, das hört sich jetzt ein wenig esotherisch an, Berührung ist aber eigentlich elementarer Bestandteil der normalen kindlichen Entwicklung. Viele Kinder im Township erfahren in ihren Familien zu wenig bis gar keine "guten" Berührungen wie z.B. Streicheln, Tätscheln, etc., aus welchen Gründen auch immer. Denkt man mal an seine eigene Kindheit zurück, bemerkt man vielleicht, was für einen großen Teil das bspw. in der Beziehung zu seinen Eltern oder wem auch immer ausmacht. Manche Kinder werden stattdessen einfach mit Spielzeugen überhäuft und dadurch oft zu egoistischen, gemeinen und gewalttätigen Wesen. Mit wiederum Anderen passiert einfach gar nichts, was sich in einer apathischen Körpersprache zeigen kann, d.h. ein Kind starrt einfach nur in die Luft, lacht und spricht nicht und hat folglich auch keinerlei Verbindung zu den anderen Kindern. Genau kann man die Ursache nie bestimmen, es könnte sich jeweils auch um ein Trauma oder Ähnliches handeln. Die Massage kann da tatsächlich eine wegweisende Therapie für solche Kinder sein. Ein extrem hyperaktiver Junge und gleichzeitig die größte Heulsuse in Noxolo wirkt danach z.B. immer wie ausgewechselt und spielt total friedlich mit den anderen. Nur regelmäßige Behandlungen können langfristig was bewirken.
Bei der Massage selbst geht es nicht ums Drücken und Kneten, sondern viel mehr ums Streichen und die Wärmeabgabe dabei. Je nach Technik kann man über die Blutzirkulation beruhigend oder "aktivierend" auf das Kind einwirken. Das alles muss in einem abgesonderten, stillen Raum stattfinden und es wird teilweise mit Öl gearbeitet. Über jede Vorher- / Nachher-Beobachtung führe ich genau Protokoll, was später Studien zum Thema Heilpädagogik und Baby- / Kindermassage dienen soll.

Die Massage-Aufgabe beschert mir noch zusätzliche Abwechslung im generell schon bunten Kindergarten-Alltag. Und wenn man sieht, was man durch so wenig Aufwand schon bewirken kann - es macht die Kinderwelt eine Zeit lang gewissermaßen "heile" -, ist man auch immer mit voller Motivation bei der Sache. ;)


So viel mal für heute. Ich hab natürlich noch einige Stories auf Lager, die ich aber bei anderer Gelegenheit mal mit euch teile.
Zum Beispiel die über meine Erfahrungen mit südafrikanischem Tischtennis. Da gehe ich jetzt nämlich hin, ins Training.

Also, haut rein und schreibt mir wie immer gerne, egal was es ist. ;-)

Bis bald!

euer Lukas

Donnerstag, 17. Oktober 2013

"Erzähl doch mal..." und BILDER

Heyho!

Mein Kalender verrät mir, dass der erste Monat im Regenbogenland schon vorbei ist. Zeit, mal wieder ein bisschen was zu berichten!

Ich beginne im Projekt, im Noxolo Educare. Mittlerweile habe ich eine eigene Klasse, die sich größtenteils aus Vorschülern zusammensetzt. Das hat den Vorteil, dass man den Kindern auch schon ein bisschen was beibringen kann, soweit man es fertig kriegt, es mit Händen und Füßen zu erklären. Englisch wird zwar auch gelernt, aber praktisch nicht verstanden oder angewendet. Und mein isiXhosa beschränkt sich immer noch auf die grundlegendsten Ausdrücke. Immerhin kenne ich jetzt alle Namen in meiner Klasse, nachdem eine "Writing"-Übung daraus bestand, seinen eigenen Namen von einem Streifen Papier abzuschreiben und ich jedem mal helfen musste. Andere Einheiten drehen sich ums Malen, Singen, Tanzen, oder Sport. Hört sich gut organisiert an, ist es aber überhaupt nicht. Wenn ich Übungen, wie meistens, alleine anleite, geht es mangels Xhosa-Sprachkenntnisse manchmal schief.
Beispiel: alle Kinder machen einen Kreis, nur eines weiß nicht was passiert. Ein anderes spielt Sheriff und zerrt das eine Kind an der Kapuze rückwärts in die Reihe. Dort angekommen geht das Geschubse los, weil an der Kapuze gezogen zu werden ja nicht gerade nett ist. Ein anderer Sheriff aus der gegenüberliegenden Ecke mischt sich mit einem saftigen Tritt in den Hintern ein, woraufhin sich zehn andere Kinder plötzlich zu Sheriffs berufen fühlen und dem neuen schwarzen Schaf nachsetzen, das mittlerweile hinter mein Bein geflohen ist. Während der ganzen Prozedur langweilt sich der friedliche Teil der Gruppe und beschäftigt sich damit, sich irgendwas über 10 Meter Distanz zuzubrüllen oder im Raum ne Runde Joggen zu gehen. Bumm, Chaos! 
In solchen Fällen ist Improvisation gefragt. Zwei Schläge auf die Bongo und ein paar Befehle auf Anfänger-Xhosa reichen meistens aus, um für den Bruchteil einer Sekunde die gesamte Aufmerksamkeit der Gruppe zu bekommen. Dann muss ganz schnell irgendeine Übung zum Runterkommen vorgemacht werden. Ich bediene mich da meistens spontan ausgedachter Stretching-Figuren, die für erwachsene Zuschauer wahrscheinlich bekloppter nicht aussehen könnten - aber es macht Eindruck. Los geht's mit tiefem Ein- und Ausatmen, dann wird sich mehrmals komplett nach oben gestreckt und wieder ganz klein gemacht (wobei ich zur Belustigung natürlich ab und an umfallen oder einen Hexenschuss bekommen muss), zwischendurch gibt man seinem Nachbarn eine Massage, gibt sich die Hand und sagt "Molo"... und zum Schluss wird sich ganz leise hingesetzt. Der magische Moment wird dann genutzt, um das Ganze auf ein Neues zu probieren.

Das war nur ein kleiner Ausschnitt meines Tagesgeschäftes in Noxolo. Was ich zwischendurch, draußen, beim und nach dem Essen, während der Schlafenszeit und außerhalb der Arbeitszeit so erledige, kann ich ja pro Eintrag step by step erzählen. ;)

Kommen wir zum Gardening, neuerdings immer freitags, im biodynamischen Garten des Centres. Biodynamik? Eine recht komplizierte Geschichte, die den Versuch beinhaltet, Landwirtschaft geisteswissenschaftlich zu betrachten. Astrologisch zum Beispiel, wenn manche Pflanzenarten nur zu bestimmten Mondständen und Planetenkonstellationen angebaut werden dürfen. Oder psychologisch, weil der Pflanze beim Wachsen von Ort über Form bis Fruchtbildung alle Freiheiten gelassen werden sollen.
Und vor allem ökologisch, weil der Garten sich kreislaufartig selbst versorgt: Beete werden nur mit Kompost aufgefüllt, der mit Pflanzenabfällen aus dem selben Garten hergestellt wurde. Mit dem Dünger verhält es sich gleich. Das klingt vielleicht alles ein bisschen komisch, aber es steckt ja erstens auch eine große Wissenschaft dahinter, die ich nicht studiert habe und zweitens: es funktioniert super! Im Centre-Garten wachsen Möhren, Salat, Spinat, Lauch, Rucola, Pilze, Kräuter, Gewürze, Blumen und vieles mehr in großer Vielfalt. Es gibt auch Bäume, deren Holz wir ebenfalls im Gardening z.B. zu Regalen oder Schränken verarbeiten.

Unter ihnen findet sich leider auch Paul Jackson, eine Baumart aus Australien, die wegen ihrer Dominanz zum Erzfeind der südafrikanischen Flora und deren Bewunderer geworden ist. "Stomp out the ALIENS!" ist auf Autoaufklebern zu lesen, nebst einer Abbildung des Paul Jackson-Baums. Er wächst blitzschnell und überall, ein echter Parasit. Im Centre-Garten muss er deshalb regelmäßig beseitigt werden. Momentan bin ich damit beschäftigt, auf dem Gelände Wege anzulegen, bzw. ehemals vorhandene Durchgänge wiederzubeleben. Innerhalb weniger Wochen haben wir dadurch einen monströsen Gras- und Unkrauthaufen zusammengeschaufelt, -geharkt und gerupft. Das kommt später alles in ein Loch und wird zu Kompost, mit dem ein neues Beet angelegt werden kann – seems logic. Was im Gardening hergestellt wird, kommt natürlich den Educares zugute, ist aber viieeeeel zu wenig, um sie regelmäßig zu versorgen. Es geht mehr darum, dass wir das Gardening-Knowhow in unseren Educares einsetzen können. Das Noxolo Educare hat einen großen Garten, für den ich bisher aber nur Müll aufsammle. Vielleicht ergibt sich da mal was...

Eine weitere Aufgabe habe ich mir mit der Mitarbeit im Sabantwana-Team geschaffen. Sabantwana ("für die Kinder") ist ein Spendenprojekt, das von uns Freiwilligen komplett selbst organisiert wird. Hat ein Freiwilliger eine Idee für ein Projekt in seinem Educare (Wand streichen, Ausflug machen, Rutsche bauen, etc.), kann er bei Sabantwana Geld beantragen. Alle Spenden, auch wenn z.B. Verwandte / Bekannte das Projekt unterstützen wollen, laufen über Sabantwana. Das ist nötig, damit es nicht so aussieht als käme das Geld von uns privat, was große Eifersucht unter den Principals und ein falsches Bild ("die Gönner") von uns Freiwilligen vermitteln würde. So steht hinter jedem Cent Sabantwana allein. Weil natürlich nicht alles von Spendern aus Deutschland finanziert werden soll, müssen wir auch selbst Fundraising betreiben um einen allgemeinen Geldtopf zu füllen.
Ich selbst habe dabei den Job, mich um Projektberichte zu kümmern, die immer angefertigt werden müssen, wenn etwas über Sabantwana läuft. Sie sind wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit, besonders auf unserer Homepage (nicht wundern, wird erst demnächst wieder auf den aktuellen Stand gebracht). Ich sorge dafür, dass die Berichte pünktlich veröffentlicht werden, korrigiere ggf. Fehler, überprüfe die Bilderauswahl und layoute ein bisschen. Außerdem habe ich als Teil des kleinen Teams eine Stimme wenn es darum geht, Anträge anzunehmen oder abzulehnen. Ich war neugierig, wie so ein Spendenprojekt funktioniert und was da in Sachen Verwaltung, Finanzen & co. so abläuft. Von daher bin ich über die kleine, aufwandsarme Nebenbeschäftigung ganz froh. ;)


Was gibt es sonst so? Mittwochs findet jetzt endlich der Xhosa-Sprachkurs statt, immer nur eine Stunde. Erfolg setzt also viel Übung in der Freizeit voraus, was ich mir aber auch vorgenommen habe. Ich muss isiXhosa nicht grammatikalisch einwandfrei sprechen können - aber ich will kommunizieren können. Sagt man in Deutschland "ich gestern Bäcker laufen", weiß doch auch jeder was gemeint ist. Egal wie, die Xhosas finden es eh immer witzig, wenn ein Mlungu (Weißer) ihre Sprache spricht. Ab und zu passiert es mir, dass ich wie selbstverständlich auf Afrikaans angeredet werde. Die "Weißensprache" spreche ich aber noch weniger als isiXhosa - da sieht man mal, von welch außergewöhnlicher Seite man als Freiwilliger beginnt, das Land kennenzulernen.


Soo, das war jetzt 'ne Menge Holz, aber damit wären jetzt auch die meisten Bereiche im Groben vorgestellt, ihr seid im Bilde und ich kann mich in Zukunft mehr aufs Erzählen konzentrieren, sofern das bei der Affenhitze überhaupt möglich ist. (das hab ich jetzt extra für alle Eiszapfen-an-der-Nase-Habenden in Deutschland erwähnt. :D)

In diesem Sinne:
Grüße in die weite Welt, macht es gut wo ihr seid und bis bald!


Lukas
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Und jetzt: Bilder! (natürlich mit Einverständnis der Eltern)


 

  
Lecker, halbe Ziegenköpfe! :D

:)

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Arbeit im Noxolo-Educare

Hey!

Meine ersten Tage als Freiwilliger im Noxolo Educare-Centre sind vorbei und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Über jeden Arbeitstag könnte ich seitenweise berichten... aber versuchen wir's mal! Heute mit der Haupttätigkeit im Kindergarten.

Ndisebenza eGugulethu - ich arbeite in Gugulethu, einem der größeren Townships von Kapstadt. In Noxolo trifft man für gewöhnlich zwei Erzieherinnen, eine Köchin und eine Leiterin an, die sich täglich um 60 -70 Kinder (von 0.5 bis 6 Jahren), Material, Haus, Garten und Gelände kümmern.
Here we go: eine Verstärkung in Form von zwei weltwärts-Freiwilligen mischt den Kindergarten-Alltag mächtig auf. Als einzige Weiße weit und breit sind wir nicht nur DIE Schau im Slum, sondern für Kids vor allem die lustigen Entertainer mit hundertprozentiger Herzlichkeit, großem Kuschelfaktor und immer-guter Laune - gefeierte Helden. Obwohl wir ausschließlich mit "Teacher" gerufen werden und kein Wort Kleinkinder-Xhosa verstehen, kommen wir bei vielen auf emotionaler Ebene irgendwie wohl gleich nach den Eltern. Das macht die Sache aber auch nicht unbedingt leicht, schließlich darf bei so vielen Kindern keines benachteiligt oder bevorzugt werden, wozu man halt schnell mal neigt. Mit manchen kann man sich einfach stundenlang - auch durchaus sinnvoll - beschäftigen und andere wollen nichts außer Action in Endlosschleife, was auf Dauer auch mal nerven kann. Es gibt aber auch besondere Kandidaten, die beispielsweise nicht sprechen wollen, wenig lachen, totale Einzelgänger sind oder einfach ganz in ihrer eigenen Welt leben - für sie ist jeder Tag mit uns ein kleiner Fortschritt. Und diese vielen Typen machen die Arbeit auch sehr vielfältig und anspruchsvoll.
Lohn ist hauptsächlich die Freude aller Beteiligten, die allein schon durch unsere Anwesenheit entsteht. Außerdem spüre ich, wie hintergründig ein kleiner Impuls gesetzt wird. Die Erzieherinnen machen zwar ihren Job, sind bei den Kids aber eher wegen den Bestrafungen gefürchtet, das ist mein Eindruck. Immerhin gibt es keine Schläge - was in anderen Educares gar nicht so unüblich ist -, der Umgang erscheint mir dennoch etwas grob, gerade für eine Waldorf-orientierte Einrichtung. Hier findet indirekt sowas wie ein Austausch statt, indem wir z.B. lernen eine Gruppe eigenständig zu führen und die Erzieherinnen sich von uns ein paar "sanfte", alternative Methoden dafür abschauen.
Von der Ausstattung her sind die Innenräume sehr schön gestaltet und Spielzeug ist zwar knapp aber geradeso ausreichend vorhanden. Der Außenbereich wirkt dagegen ziemlich trist mit ein paar Reifen, die eingegraben oder lose über das Gelände verteilt sind, wenigen Holzstücken und einer Sandgrube. Der "Garten", um den ich mich unter anderem auch kümmere, besteht aus ein paar Büschen und Kakteen, die zumeist mit Abfall übersät sind. Der Müll wird nachts von Fußgängern einfach über den Zaun geworfen und muss am nächsten Tag von uns eingesammelt werden, bevor ihn noch irgendwer in den Mund nimmt. Draußen möchte ich sehr gerne eine Veränderung schaffen. Beispielsweise mit einem Baum, einer Schaukel, einer Rutsche, etwas Farbe an der Mauer, o.ä..
Man sieht: wenn man will, kann man sich neben den Kindern auch noch mit eigenen Ideen und deren Verwirklichung beschäftigen. Noch ist es allerdings zu früh und sind wir zu neu, um das mal wirklich auf den Plan zu bringen...

Derzeit konzentriere ich mich nur darauf, den Noxolo-Alltag irgendwie zu meistern und die Kommunikation zu verbessern, wozu vor allem das Lernen der Namen und besonders der Sprache notwendig ist. Außer überraschte bis entsetzte Blicke (und ab und zu mal einen Funken von Dialog) habe ich mit meinem Xhosa allerdings noch nicht viel erreicht. ;D Ich bin zuversichtlich, dass sich das mit der Zeit bessert, weil ndiyafunda - ich lerne!
Tägliche Abläufe wie das Servieren von Pap - geschmacksloser Maisbrei -, den Morgenkreis oder das Vorbereiten auf den Mittagsschlaf sind schon fast routiniert. Immer wieder abenteuerlich wird es dagegen beim Mittagessen, von dem wir Freiwillige meist eine Portion abbekommen. Ich habe tatsächlich schon aufgewärmtes Pap mit Schafsmagen gegessen! Das war zwar ein echter Kampf (wuäh!), aber im Nachhinein habe ich beschlossen, in Zukunft trotzdem keine Mahlzeit auszuschlagen. Wenn schon Dienst im Township, dann auch richtig!

Großes Kino!
Vom Fenster aus kann man die
wöchentlichen TV-Dreharbeiten
vor der Haustür beobachten.
Hier wird gerade eine Nachtszene
im Auto vorbereitet.

Oh man, es passiert jeden Tag vom Aufstehen bis zum Einschlafen einfach so viel, dass mir eine "Zusammenfassung" echt schwer fällt.
Ich kann nicht glauben, so viele Dinge in nur so kurzer Zeit erlebt zu haben!
Aber ich habe ja noch lang genug Zeit, über Details und kleine Stories zu schreiben. Das gilt auch für Fotos, die aus diversen Gründen leider nicht so einfach zu machen sind. Deshalb: habt Geduld! Oder schreibt mir einfach wieder. ;)









Bhutis und Sisis, für heute war's das mal wieder aus weit, weit, weit weg.

Liebe Grüße nach überall, bis bald!

Lukas

Dienstag, 24. September 2013

Erste Freizeit

Das verlängerte Wochenende wurde für typischen Touri-Kram verbraten. Richtige Touristen sind wir ja nicht, aber das weiß nunmal keiner. Am Liebsten hätte ich es mir dick und fett auf die Stirn geschrieben. Naja, dafür sind wir dann aber auch richtig in die Vollen gegangen. Kapstadt mit Shoppen, Green Market, V&A Water Front, Green Point, Riesenrad und Signal Hill, daheim ein Tag am Strand, nochmal Kapstadt mit Signal Hill... und heute sind wir noch zu dritt "etwas extremer" den Berg von Muizenberg raufgeklettert (einfach die Wand hoch, wer braucht schon Wanderpfade?). Naja. Das Meiste erleben wir hier mit Sicherheit noch so oft, dass es irgendwann nichts Besonderes mehr ist - aber zum Kennenlernen musste dieses Blitz-Sightseeing irgendwie trotzdem sein.
Hat aber auch einen nachhaltigen Effekt: Im Zentrum von Cape Town kann ich mich jetzt schon grob orientieren, bin routinierter Bahnfahrer und weiß, wo ich was kriegen kann. Dieses Wissen wirkt auch dem leidigen Gefühl entgegen, ich sei hier nur im Urlaub. Das verschwindet wahrscheinlich ganz, sobald ich ein paar mal gearbeitet habe. Der Tafelberg am Horizont ist für mich nach den paar Tagen aber schon zum Zeichen für ein "Zuhause" geworden, wo ich mich richtig wohlfühle. :)
Und Muizenberg ist sowieso the place to be - das Riesenglück, jeden Morgen an diesem schönen Ort aufwachen zu dürfen, schätze ich sehr. Aus unserer anfangs noch etwas sehr runtergekommenen Bude haben wir mittlerweile auch eine recht hübsche, ordentliche Wohnung gemacht. Klar hat sie ihre Macken, aber das nimmt man mit Humor. ;)

Morgen ist mein erster Arbeitstag und auch gleich Frühschicht. Das heißt: um halb 6 Uhr fliegt mein Wecker gegen die Wand, ich verpasse fast die Bahn um 7 und komme per Bus gegen 8 ins Township. Um 13-14 Uhr habe ich dafür aber schon Feierabend. Spätschicht gibt es auch - das ist das Ganze um 1,5 Stunden nach hinten verschoben. Mittwochs ist immer Gardening, was diese Woche aber entfällt (zu Beginn konnten wir uns zwischen zwei Workshops - Gardening (Gartenarbeit) und Craft (Werkstatt, Reperatur) - entscheiden, die einmal wöchentlich am Centre stattfinden).

In jedem Fall muss ich halt immer verdammt früh aufstehen.
Diesmal gibt es noch ein paar Bilder vom Wochenende, viel Spaß damit. ;)

Ich grüße in die Heimat und in alle Welt.

Bis bald!
Lukas

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Freitagsmarkt in der Garage.

Muizenberg am Abend

Drachenbootrennen an der Waterfront in Kapstadt

Das WM-Stadion

Cape Town mit Devil's Peak

Green Point mit Stadion, Atlantik und Robben Island am Horizont

Muizenberg am Tag

die kultigen Badehäuser

auf dem Signal Hill

Table Mountain & Lion's Head

Klettern auf den "Muizenberg-Berg" - nicht ganz risikofrei!

Indischer Ozean

Huuuiiiii :)

wunderschöne Aussicht 360°



:)

Freitag, 20. September 2013

Molweni!


Muizenberg, Südafrika, sehr früh morgens.
Mein Wecker klingelt. Zwei Meter vor dem Fenster donnert wie immer der Zug mit höllischem Lärm vorbei - ich bemerke das kaum noch. Ich bin der erste Frühduscher und es ist saukalt im Bad und die geschlossenen Fenster, durch die der Wind pfeift, bieten da wenig Schutz. Der südafrikanische Winter liegt in den letzten Zügen und gibt scheinbar nochmal alles. "Warum nimmst du denn die Winterjacke mit", hör ich noch meine Schwester fragen, "du gehst doch nach Afrika?" - seit Dienstag, als ich am Cape Town Intl. Airport gelandet bin, ist das Wetter aber überwiegend englisch.
Meine 6 WG-Mitbewohner/innen stehen auch schon zum schnellen Frühstück auf und es geht zur Railstation. Über dem Indischen Ozean geht die Sonne auf, wir wohnen direkt am Meer. Die Metroline fährt nach Cape Town, aber wir steigen schon in Plumstead aus, wo das Centre for Creative Education unweit der Station liegt (acht Stationen fahren kostet umgerechnet nicht mal 60 Cent). Das Centre ist seit 1998 für ca. 20 Educares (Kindergärten) und die Zenzeleni-School verantwortlich, die über die kapstädter Townships verteilt sind. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, Kindern aus Townships Bildung in Waldorf-Einrichtungen zu ermöglichen. Außerdem ist es seither die einzige nicht-staatliche Ausbildungsstätte für Lehrer/innen in Südafrika.
Heute Vormittag steht eine Township-"Tour" an. Unser Fahrer steuert zuerst die Schule in Khayelitsha, dem größten Slum, an. Viel gibt es aber nicht zu sehen, da gerade noch Winterferien sind. Also besuchen wir noch zwei Educares, was eine echt schöne Erfahrung ist. Schon als der Bus in den Hof gelenkt wird, kleben zig neugierige Gesichter am Fenster - und kaum ist die Tür auf, können wir uns vor Umarmungen und "Bitte schmeiß mich in die Luft" nicht mehr retten; die Kinder rennen einen einfach um! Vergleicht man die tw. paradiesisch eingerichteten Kindergärten mit der Schrott- und Mülllandschaft (aus der die Shacks im Viertel mehr oder weniger gebaut sind) außerhalb, ahnt man auch, warum sie das brauchen...
Ich bin ab Montag im Noxolo Educare Centre (das x wird geschnalzt) zuständig und habe die nette Principal / Mama von dort auch schon kennengelernt.

Die ersten Tage dienen zum Ankommen und ersten Kennenlernen der Umgebung und Mitmenschen. Wir wurden in die Flats eingeteilt und unseren Aufgaben zugewiesen und haben viel Zeit, uns einzurichten. Auch die kommenden Tage am Wochenende und der Feiertag am Dienstag werden, denke ich, noch recht entspannt, bevor es in den richtigen Arbeitsalltag geht.

Davon hört ihr dann aber erst später - Internet ist hier eh noch rar und ich habe halt auch jede Menge anderes zu tun. Aber ich will euch natürlich auch nicht vernachlässigen, dafür fallen die Berichte dann einfach ausführlicher aus. ;)
Ihr könnt euch in den Kommentaren auch gerne wünschen, was ich noch erzählen und erklären soll. Skype-Termine gibt es nach Absprache. Und Bilder kommen natürlich noch, sobald ich welche gemacht habe.

Jetzt ist gerade der Strom ausgefallen und es ist schon spät. Also bis bald.

Liebe Grüße nach Deutschland,

Lukas

:)