Montag, 13. Januar 2014

Südafrika in 30 Tagen - ein ROADTRIP

Sharp, sharp!


"Heimatlos und Spaß dabei!" (Frittenbude)



iYoh liebe Blogfreunde, ich bin seit ein paar Tagen aus dem Urlaub aller Urlaube zurück und hatte einfach fantastische 30 Tage! Wie versprochen habe ich immer schön Tagebuch geführt und dabei nicht gerade Tinte gespart - Schreiben ist bei langen Reisen einfach auch generell eine schöne Beschäftigung, finde ich. Naja.
Jedenfalls werde ich das Reisetagebuch nicht einfach so hier in den Blog posten, denn das hier ist kein Urlaubsblog, sondern ein weltwärts-Blog. Das ist eben Extra. Und ich möchte auch nicht einen ganzen Tag lang vor dem Upload-Balken sitzen, es ist schönes Wetter. ;D
Deswegen gibt es jetzt weiter unten einen großen Download-Button für die Freaks unter euch, die sich diesen ganzen Roman mal durchlesen wollen. Ich habe mich bemüht, es so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Es mag manchmal etwas nüchtern klingen, aber man darf sich im Hinterkopf behalten, dass dieser Urlaub einfach eine einzige Achterbahnfahrt gewesen ist! Ich lasse auch sicher ein paar Fragen offen, weil ich nicht alles schreiben kann. Aber dann fragt mich einfach, was euch interessiert. ;)
Wer übrigens keine Lust auf so viel Lesen hat, kann sich ja auch einfach die Bilder angucken, von denen es zu jedem Tag mehrere gibt.



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Alex, Nils, Jonas und ich bildeten die Freiwilligen-Reisegruppe, die es immerhin pünktlich geschafft hatte, ein Auto zu buchen und sich für eine Richtung zu entscheiden. Der Rest war völlig banane, ganz nach dem Motto "einfach drauf los". Roadtrip war Roadtrip, da ging es nicht um gemütliche Betten und guten Kaffee, sondern um das größte Abenteuer, die beste Aussicht, die ungewöhnlichsten Begegnungen, die Freiheit und den Kick dabei! Der Weg war das Ziel - in unserem Fall in drei Ländern, sieben südafrikanischen Provinzen und auf über 8.500 Kilometern in einem Hyundai i20.
Was da so alles los war, wie wir die beste Silvesterfeier aller Zeiten genossen haben und ob wir den "Big Five" begegnet sind... das steht im Tagebuch.

Hier geht's zum Meisterwerk (Download PDF ~ 218 MB):



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Ansonsten habe ich jetzt, glaube ich, für eine Weile genug getippt. Aber ihr hört spätestens kurz vor dem Freunde-Zwischenseminar in vier Wochen wieder von mir, dann natürlich mit den neuesten News aus dem Centre und Noxolo.


Habt bis dahin einen schönen Sommer oder Winter und startet gut ins neue Jahr!

Bis bald,


Lukas

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Off for holidays!

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2013. Was für ein Jahr! Für mich stellten sich so viele Weichen in den letzten 12 Monaten, ich habe so viele neue Erfahrungen und Erlebnisse gesammelt - gut, das kann man ja von jedem Jahr behaupten. Trotzdem war 2013 in vielerlei Hinsicht bedeutsam. Um nur mal das hierher passende Beispiel mit dem Freiwilligendienst zu nennen: vor knapp einem Jahr hatte ich noch nicht mal die Idee dazu oder eine Ahnung davon und noch vor rund 10 Monaten war das Orientierungsseminar bei den Freunden in Karlsruhe. Angesichts der vielen Ereignisse in der Zwischenzeit scheint es eine Ewigkeit her zu sein. Damals hatte ich als "Spätentschlossener" gar nicht wirklich daran geglaubt, ein halbes Jahr später die Koffer für weltwärts packen zu dürfen. Und jetzt ist es schon fast Mitte Dezember und mit jedem Morgen kam es mir selbstverständlicher vor, über 9000 Kilometer von zu Hause entfernt aufzuwachen - jetzt ist es schon Gewohnheit. Manchmal kann ich nicht glauben, dass die südafrikanische Sonne fast zeitgleich auch über Bayern aufgeht. So als gäbe es zwei Welten parallel, die aber nicht auf einem Planeten liegen. In dieser, meiner Welt vergeht die Zeit ja auch viel schneller. Es ist schon ein Viertel vorbei!
Vielleicht konzentriere ich mich auch so sehr auf meine Aufgaben, dass der Kalender nur noch eine unwichtige Erscheinung im Augenwinkel ist. Ich habe schließlich noch keinen einzigen Fehltag gesammelt und bin jeden Tag topfit und motiviert am Start - so weiterzumachen ist mein erklärtes, großes Ziel. Das gilt für die Arbeit, aber natürlich auch für die Freizeit: jedes Wochenende irgendwas unternehmen und im Tischtennis richtig am Ball bleiben, genau wie in Sachen isiXhosa-Sprachkurs! Dem haben viele schon den Rücken gekehrt, obwohl ich den Unterricht eigentlich immer ganz spannend finde. Ach, ich hab einfach an allem hier Spaß! :D
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Eher ruhiger waren die letzten Tage im Noxolo Educare. Während zu Monatsanfang immerhin noch um die zwanzig Kinder erschienen sind, kamen Richtung Ferienbeginn einmal sogar nur (die) sieben (Zwerge). Die Kleingruppen haben dafür ein ganz abwechslungsreiche Dezember-Spezialprogramm bekommen, wie zum Beispiel eines Vormittags einen Schnell-Tanzkurs, oder "Reise nach Jerusalem" bis der Arzt kommt. ;)
Die junge Noxolo-Tanzcrew...
... legt eine flotte Sohle aufs Parkett!

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Zum Schluss will ich noch DAS Ereignis der letzten Woche thematisieren, ich brauche es wahrscheinlich gar nicht mehr zu nennen:
Seit Freitag erlebe ich die südafrikanische Öffentlichkeit in einem ungewöhnlichen Zustand. Nelson Mandela, unser tata Madiba, ist am Abend zuvor gestorben. Die Regenbogennation lässt jetzt den Mann in Gedanken noch einmal so richtig lebendig werden, der sie zu dem verwandelt hat, was sie heute ist. Auf einmal ist die ruhmreiche Vergangenheit des Friedensnobelpreisträgers wieder in aller Munde - niemand denkt an den alten, kranken Mann, der nun gestorben ist, sondern an den Helden-Mandela von damals, der die Apartheid von der politischen Bildfläche verschwinden ließ. Am Dienstag habe ich den Film "Mandela - A Long Walk To Freedom" im Kino gesehen - wirklich ein Must-See!
Mit Mandela ist ein ganz Großer in der Geschichte der Menschheit gestorben. Südafrika trauert um und feiert zugleich das Leben seines ehemaligen Präsidenten. Heute findet im Cape Town Stadium eine große Gedenkfeier statt; aus den Fenstern der Metrorail in Stadtrichtung winkten unzählige Flaggen.
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So, das war's jetzt aber endgültig mit Bloggen für dieses Jahr! Alle Pflichten sind erfüllt, morgen geht es ab in den großen Sommerurlaub! :)
Ich wünsche euch, meinen lieben Lesern, schon jetzt ganz frohe Weihnachten, ggf. eine bombige Silvesterparty und natürlich einen guten Rutsch ins neue Jahr 2014!

Haut schön rein und bis bald!

Lukas

Sonntag, 1. Dezember 2013

Kushushu!



Hallihallo an diesem wunscherschönen ersten Advent!


Diesen Eintrag möchte ich gerne einmal damit beginnen, mich bei euch, meinen treuen Lesern, für all das liebe Feedback zu bedanken. Ich bekomme ja nicht nur furchtbar gerne Post, sondern ich finde es auch verrückt, dass mein Blog und die Rundmails auf so viel Interesse und Gefallen stoßen. Ich bin eigentlich auch zu sehr der Typ "Autor" statt "Blogger" und könnte jedesmal noch seitenweise berichten, was manchen scheinbar ganz gut gefallen würde. Aber ich will's ja auch nicht übertreiben. Obwohl - heute vielleicht schon. Adventskerzen angezündet und Lesebrillen aufgesetzt: hier kommt der letzte Roman, bevor es bald in den Urlaub geht! ;)

Also, wo beginnen wir? Am Besten ganz unten, so wie bei meiner Erstbesteigung des Tafelbergs vor einer Woche. Wer sich den Wetterbericht für diesen Tag noch einmal anschaut, wird sich schon beim Anblick der Zahlen schweißgebadet irgendwo abstützen müssen. In aller Herrgottsfrühe konnte mich davor nur die Sunblocker-Crème bewahren, in die ich quasi gekleidet war. Kushushu! ("Es ist heiß!") Dass ich "vorsichtshalber" lange Klamotten im Rucksack hatte, musste ich mir darum auch den ganzen Tag lang noch zum Vorwurf machen - es war gelinde gesagt einfach... infernalisch heiß! Der Aufstieg begann am Fuß der Südost-Seite des Tafelbergs, im botanischen Garten von Kirstenbosch.
Die Exotik fand ich dabei nicht nur in der Pflanzenwelt, sondern nach der ersten halben Stunde auch am "Skeleton Gorge", dem Pfad unserer Wahl. Mit meinen ausgelatschten Kindergarten-Tretern hab ich ja schon nicht schlecht gestaunt, angesichts des Wasserfalls, den man laut Schild auf einmal mit "ropes and ladders" (Seile und Leitern) hinaufklettern sollte. Das Ganze stellte sich im Nachhinein allerdings als relativ harmlos heraus. Das Wasser war eher eine sehr willkommene Erfrischung, um dem brutalen tata ulanga („Vater Sonne“) zu trotzen. Danach war die Baumgrenze allerdings auch schon überwunden, sodass ich mich fortan auf meinen Strohhut als einzigen Schutz verlassen musste.
Unser Ziel war zunächst Maclair's Beacon, der höchste Punkt des Tafelberg-Massivs. Gute dreieinhalb Stunden wurden für den Weg insgesamt benötigt. Einerseits war es zwar purer Wahnsinn, in der gnadenlosen Mittagshitze wie ein verirrter Wüstenwanderer die endlosen Steintreppen hinaufzusteigen - andererseits hat die Aussicht mit jedem Schritt dafür entschädigt. Die Sicht war so klar, dass ich bestimmt bis nach Südamerika hätte blicken können, wäre die Erde keine Kugel. Der gewundene Pfad eröffnete auch immer neue Perspektiven: 360° Dauer-Panorama bei nahezu uneingeschränkter Sicht!
Blick auf die False Bay
Der Beacon erschien mir dagegen nicht besonders spektakulär. Das Plateau, das sich rings um den mit einem Steinhaufen markierten höchsten Punkt befindet, und der Devil's Peak versperrten die Sicht auf Kapstadt und auch sonst gab es nicht viel zu entdecken. Also wurde beschlossen, lieber zeitig den Weg in Richtung Seilbahnstation im Westen einzuschlagen.
Die Entscheidung war goldrichtig: eine wunderschöne Route führte direkt am Abgrund in Stadt-Richtung entlang. Die Belohnung für den halsbrecherischen Aufstieg war mit keiner Kamera der Welt festzuhalten! Zentimeter vor den eigenen Füßen erstreckte sich die GANZE Tafelbucht in ihrer vollen Schönheit. Selbst der Signal Hill, von dem ich ja schon einen wunderbaren Ausblick hatte, war von dort oben gesehen nicht mehr als ein weiteres schönes Detail im Gesamtbild. Nur dort stehend käme man niemals auf die Idee, wie hässlich das Leben tausend Meter weiter unten sein kann.
Nachdem diese Aussicht etliche Male auf verschiedenen Felsvorsprüngen für atemberaubend erklärt wurde, gaben wir uns zum Abschluss noch die, wie ich finde, schlimmste Ecke des Table Mountain - die Bergstation des Lifts. Dass auf "unserem" Tafelberg, der uns im Alltag auf Schritt und Tritt am Horizont begleitet, so eine Massenabfertigung stattfindet, hätte ich nicht gedacht. Statt auf Leitern und Wasserfälle wurde hier höchstens auf "unebene Stufen" an den Treppen hingewiesen und die Betreiber verschleuderten Hot-Dogs und Souvenirs zu unverschämten Preisen an Lift-Touristen in Freizeit-Kleidung. Außerdem gefiel mir die große Anzahl an Menschen dort oben nicht, unter denen wir wie Indiana Jones mit Gefährten ausgesehen haben mussten. Also machten wir uns an den, im Vergleich zum Aufstieg nicht minder schlauchenden, Abstieg. Zahllose Felsstufen führten uns in zweieinhalb schweißtreibenden Stunden hinab zur Talstation.
Es war ein wirklich abgefahrener Tag, der unglaublich Spaß gemacht hat - und von dem ich noch lange vor allem eines hatte: Muskelkater.



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Ähnlich anstrengend war das Gardening in letzter Zeit. Im Centre-Garten hat sich seit unserer Ankunft sehr viel getan: Beete wurden neu angelegt und Verschiedenes eingepflanzt und geerntet. Eine Zeit lang verkauften wir sogar riesige Salatköpfe, die uns in einem Beet gelungen waren.
Meine Aufgaben beschränken sich momentan aber mehr auf die sogenannten "Männer-Jobs": mit der Schubkarre wichtig-aussehend über das Geländer scheppern, auf Komposthäufen herumhüpfen bis auch die letzte Stoffaser der Schuhe eingesaut ist, und vor allem Schaufeln, Schaufeln, Schaufeln. Ein bisher unbearbeiteter, wild bewachsener Bereich im hinteren Teil des Gartens wurde so z.B. innerhalb weniger Stunden zum Ort der Bestimmung für fünf Zirkel-Beete verwandelt. Die kreisrunden Gräben können später in Sektoren unterteilt werden, die nach jeder Ernte anders bepflanzt werden - damit dem Boden nicht "langweilig" wird und man durchgehenden Ertrag erhält. Die ausgeschaufelte Bodenmasse wurde dann dazu verwendet, das Gelände anderswo zu begradigen, sodass dort auch schon bald Beete gegraben und angelegt werden können.
Wenn sonst mal nichts zu tun ist, wird meistens Unkraut gerupft. In einem Garten, in dem keine Chemikalien dagegen eingesetzt werden, ist das nun mal von großer Bedeutung. Vor allem, weil alle kahlgerupften Stellen binnen einer Woche einfach wieder überwuchert sind.

Kommen wir endlich wieder nach Guguletu, wo es schon vergangenen Freitag eine vorweihnachtliche Bescherung gab. Das südafrikanische Projekt "Santa's Shoebox" ließ dem Noxolo Educare nämlich Geschenkspenden zukommen. In bunt verpackten Schuhkartons haben die Spender des Projekts jeweils Kleidung, Waschzeug, Schulsachen, ein Spielzeug und eine Süßigkeit gelegt, allein mit einem Hinweis beschriftet, welchem Alter und Geschlecht der Inhalt gerecht sein würde. Sogar Weihnachtsbäume standen in jeder Klasse, unter denen wir je einen Geschenkeberg abladen durften.
Die leuchtenden Augen der Kinder, die dann nach und nach eintrudelten, sprachen für sich. Schier unbändige Freude, gemischt mit großem Staunen und einer gewissen Portion Ehrfurcht - die Gesichter werde ich wohl nie vergessen... Mehrere hundert Euro gibt der Deutsche im Durchschnitt für die Weihnachtsüberraschungen seiner Nächsten aus; wie krass mir das auf einmal vorkommt!
Der Tagesablauf gestaltete sich ansonsten wie üblich, ans Aufmachen durften sich die Kids nämlich erst zu Hause machen. Da natürlich nicht in jeder Box das Gleiche enthalten sein kann, will man Neid unter den Kindern - und auch unter den Eltern! - unbedingt vermeiden.

Das eigentliche jüngste Highlight war für mich aber natürlich das Graduation Event, quasi die Abschlussfeier meiner Klasse. Einen Monat im Voraus hatten wir schon damit begonnen, eine kleine Show mit den Vorschülern einzustudieren. Die Vorfreude verflog allerdings leider, als wir von dem Veranstaltungsort erfuhren, bei dessen Auswahl sich unsere Principal (unserer Meinung nach) wohl gehörig vergriffen hatte. Das Ganze musste in einem guten Hotel in Sea Point stattfinden, einem der normalerweise wohlhabenderen Viertel Kapstadts und unweit der luxuriösen Waterfront. Was die Noxolo-Chefin dazu gebracht hat, eine Township-Kindergartenklasse in diese "Komplementär-Welt" zu entführen und dort deren Graduation zu feiern, muss noch ergründet werden.

Dadurch wurde das Event nämlich auch zu einer kostspieligen Angelegenheit, sodass trotz einiger aquirierter Spendengelder noch etliche Kosten bei den Familien hängen blieben. Natürlich gaben auch die Eltern aus Guguletu für diesen einen, besonderen Tag so viel aus wie sie es konnten – aber diese Location konnten sich manche verständlicherweise dann doch nicht leisten. Wegen dieser Angelegenheit wird es wohl noch einigen Diskussionsbedarf geben. Den hatten dann nämlich auch die Hotelbediensteten im Umgang mit ihren Gästen. Binnen weniger Minuten hatten die Mädchen den automatischen Handtrockner auf der Frauentoilette außer Gefecht gesetzt; eine Gruppe von Vätern blockierte - unentschlossen, welcher Knopf als nächstes zu drücken sei - für einige Zeit den Fahrstuhl und das Besteck am Snack-Buffet wurde nicht angerührt, denn natürlich isst man mit den Händen! Ich habe mich dem Ganzen einfach angeschlossen, selbst nicht wenig entsetzt von den Welten, die hier aufeinander prallten.

Gesang
Die neueste Bademode
Das alles hat dann leider einen gewissen Schatten über die eigentlich sehr schöne Feier geworfen. Es wurde unglaublich viel gesungen und auch gebetet, vor allem zwischen den Show-Einlagen meiner Vorschüler. Die setzten sich aus einem gemeinsamen Lied und Tanz, jeweils einem Tanz der Mädchen und der Jungen, einer kleinen „Modenschau“ und letztendlich der Urkundenverleihung zusammen.
endlich geschafft!
Letzter Teil hatte uns Teachern in den letzten Wochen die meisten Nerven geraubt: jedes Kind sollte sich zuvor auf Englisch mit Namen, Wohnort und einem Noxolo-Schlachtruf vorstellen. Letztendlich ist aber alles sehr schön gelungen. Als es an die Urkunden ging, wurden die Kids auch jedes Mal gefragt, was ihnen am Educare denn so am besten gefallen habe. Tatsächlich hat eine Mehrzahl mit „Tishala“, / „Teacher“ - und einige sogar mit „Lukas“ geantwortet!! Darauf war ich besonders stolz, weil ich das so niemals erwartet hätte. Folglich war ich auch bei vielen Eltern, von denen mich manche nie zuvor gesehen hatten, plötzlich sehr angesehen. Zum Glück erfuhr ich auch rechtzeitig davon, dass ich meine Klasse noch bis zu den Ferien behalten würde – so fiel das Byebye nicht ganz so schwer, auch wenn es in ein paar Tagen wohl schon so weit sein wird.
Die Veranstaltung im Nachhinein zu bewerten, fällt mir sehr schwer. Einerseits finde ich es sehr traurig, dass eine Fehlentscheidung es für manche schon unmöglich gemacht hatte, bei diesem schönen Fest dabei zu sein. Dies ist, nach dem was ich so mitbekommen habe, aber auch das erste Mal so der Fall gewesen und – zu dieser Einsicht werden es diese Erfahrung und einige Gespräche früher oder später kommen lassen – es wird wohl auch nie mehr in dieser Art und Weise stattfinden. Andererseits war die Graduation von Organisation und Unterhaltungswert her schon ein voller Erfolg und es wird wohl auch einer der ganz großen Tage sein, die ich später für immer mit meinem Kindergarten in Verbindung bringen werde. Fast ein Viertel-Jahr habe ich mit diesen Kids gearbeitet und habe schon in dieser Zeit jede Menge Entwicklung beobachten können. Umso gespannter bin ich jetzt auf meine neue Klasse, die ich nach den Ferien im Januar übernehmen werde. Da wird es dann von Null los gehen, auf dem Weg zur Hundert, der nächsten Graduation im November!




Soooooo, das war's mal wieder für heute. Ich denke, ich bin meinen Ansprüchen diesmal von der Menge her gerecht geworden. :D
Dafür gibt es jetzt ja auch länger nichts Großartiges mehr zu lesen, denn in einer Woche sind die Taschen für den Urlaub schon so gut wie gepackt und ich bin einen Monat lang auf Achse, wortwörtlich. Darauf freue ich mich ja auch schon unglaublich!

Von diesem Abenteuer hört ihr dann wahrscheinlich erst im Januar. IM JANUAR! 2014! Wie das klingt!? Da ist ja schon ein Drittel meines Auslandsjahrs vorbei! Na gut, das dauert ja jetzt noch etwas - glaube ich. Trotzdem!

Wie auch immer: macht es gut oder besser wo auch immer ihr seid!

Salani kakuhle und bis bald!

Lukas

Montag, 18. November 2013

Morgenstund' hat Pap im Mund

Molweni und hallo, liebe weltwärts-Fangemeinde.

Ich bin nach wie vor bester Dinge und hochzufrieden mit dem bisherigen Verlauf und dem aktuellen Stand meines Auslandsjahres. Und nicht nur das, für die nähere Zukunft habe ich auch schon allen Grund zur Vorfreude. Bleiben wir aber zunächst mal in der Gegenwart:

Wie ihr euch vielleicht erinnert, habe ich euch doch vor rund einem Monat noch von meinen Problemen in der Klasse berichtet, was das autoritäre Auftreten und zwischenzeitliche Chaoswellen angeht. Nunja, ich kann nicht behaupten, ich hätte riesige Fortschritte gemacht - in meinen Augen bin ich aber schon mehr als einen Meilenstein weitergekommen.
Eine Besonderheit von Waldorfkindergärten ist das spezielle Augenmerk, dass auf den Rhythmus, bzw. Regelmäßigkeiten im Tages- und Wochenablauf gelegt wird. Die Begrüßung, das Pap-Frühstück, der Morgenkreis, Lieder und Gedichte... all diese Dinge gleichen schon fast Ritualen und bringen eine feste Struktur in den Kindergarten-Alltag, an die sich die Kinder gewöhnen und mit der sie sich wohlfühlen können. Ein solcher Ablaufplan ist auch im Noxolo Educare Centre genaustens auf einem Plakat mit Uhrzeiten festgeschrieben. In der Praxis wurde er aber wohl schon in hundert verschiedenen Varianten umgesetzt, die bis hin zur Nichtbeachtung reichten. Dabei trifft die Mamas und mich eigentlich keine Schuld, denn dieser Fahrplan ist ganz offensichtlich nicht für diese große Anzahl von Kindern und das südafrikanische Wetter gemacht worden.
Klar, in der Theorie sollte man meinen, eine Pfütze Maisbrei zu essen wäre eine Sache von höchstens zwanzig Minuten. Diese Zeit brauchen wir aber schon allein, um etliche Male mit vollbeladenen Tabletts von der Küche über die ganze Terasse bis in die Räume zu gelangen - geschweige denn, um die "Ich will aber den blauen Teller"-Streithähne mit extra-stark leuchtendem Rosa auszustatten. Zur weiteren Verzögerung können dann noch eine Handvoll Unfälle mit umgekippten Tellern, extrem unterhaltungslustige Kolleginnen am Schöpflöffel und das obligatorische, unfreiwillig in Pap geduschte Kind hinzukommen - und schon haben wir allein 40 Minuten auf das Frühstück verwendet. Jedenfalls, wenn nicht gerade wieder ein kapstädter Überraschungs-Monsun über Guguletu hereinbricht. Das Wetter spinnt ab und zu total.
Was den Morning Ring (Morgenkreis) angeht, habe ich die Vermutung, dass da bisher irgendwie wenig Engagement reingesteckt wurde. Ich bin mittlerweile allermeistens alleine in der Klasse, doch hab ich es schon ein paar Mal erlebt, wie den Kindern direkt nach dem Essen z.B. die Malsachen hingelegt wurden. Die Sache ist die, dass ein Teil der Kinder erst während der Essenszeit im Educare ankommt, weil sie entweder den "Luxus" genießen, zu Hause frühstücken zu können, oder weil die Eltern erst dann ihrem Tagesgeschäft nachgehen und auf dem Weg ihren Nachwuchs in unsere Obhut geben. Nach dem Essen ist die Gruppe also erst vollständig - ich finde, der gemeinsame Start in den Tag per Morning Ring ist dann unerlässlich.
Morgenkreis - das hört sich so einfach an. Wie bereits vor einem Monat geschildert, kann das Ganze schon allein am Versuch scheitern, einen Kreis zu bilden. Zum diesem Zeitpunkt darf ich nun mit Stolz behaupten, den Morning Ring jetzt schon eine Woche lang total souverän und erfolgreich geleitet zu haben. Es beginnt mit wilden Gesten, die auf alle möglichen Arten einen Kreis beschreiben, während ich immer wieder "Circle, Cirlce, Circle!" rufe und dabei auf die freie Fläche im Raum deute. Das Geschrei geht los, jeder schnappt sich einen Stuhl, rammt seinem Nächsten beim Wegtragen womöglich noch die Lehne in die Rippen und bringt sich dann lebhaft in die "Wer sitzt neben wem"-Diskussion ein. Meine alte Freundin, die Bongo, sorgt wiederum für gespanntes Schweigen.
Vorschule rockt!
Ich eröffne mit "Molweni abantwana!" (Hallo, Kinder) und werde mit "Molo, Teacher!" (Hallo, Lehrer) gegengegrüßt. Das einzustudieren war allein schon harte Arbeit. Dann wünsche ich uns allen einen schönen Tag und gebe Kreisspiele und Lieder aus meinem aber eher noch bescheidenen Repertoire zum Besten. Ab und zu habe ich auch eine kreative Eingebung. So habe z.B. ich aus Versehen den Refrain von "We Will Rock You" (Queen) zur neuen Klassenhymne gemacht; bumm bumm clap ist einfach DER Beat. "Wiwo, wiwo RACK JU!" schallt es manchmal auch abholenden Eltern entgegen. Das haben sie von mir, denke ich mir dann immer. ;-D

Ich habe anfangs von guten Aussichten für die kommenden Wochen gesprochen und auch darin gebe ich euch natürlich einen kleinen Einblick.
Am 30. November findet das Graduation Event, also die Einschulungsfeier meiner Vorschüler statt. Für die Veranstaltung ist eine kleine Show geplant, für die wir gerade eifrig diverse Tänze und Lieder einstudieren. Hierbei werde ich immer unterstützt, denn so weit reichen meine isiXhosa-Kenntnisse noch nicht aus, dass ich die Liedtexte und die passenden Anweisungen für die Tänze dazu auf die Reihe bekommen würde. Ich weiß noch nicht, welche Aufgabe ich bis zum Urlaub dann bekomme, aber ich weiß, dass ich meine Vorschüler jetzt schon ein wenig vermisse. Auch wenn ich sie erst verhältnismäßig kurz hatte, gibt es schon die ein oder anderen Kids, die ich sehr schätzen gelernt habe - und allgemein war es auch einfach eine nette Klasse. Trotzdem freue ich mich auf das Event und bin gespannt, welche Gruppe mich dann nach den Ferien im Januar erwartet.

Apopros Ferien, darin besteht der zweite Teil meiner Vorfreude. Ein vierwöchiger Roadtrip durch Südafrika, Lesotho, Swaziland, Mozambique und vielleicht Botswana steht mir bevor - also höchstwahrscheinlich ein recht abenteuerlicher Urlaub, oder: ganz nach meinem Geschmack. Eine kurze Unterbrechung der Reise wird mich dann über Weihnachten für ein paar Tage zurück nach Kapstadt führen, wo ich mit meiner Familie unterwegs sein werde, die dann dort Urlaub macht.
Ausblick auf die Bucht von Simon's Town
Auf diese Auszeit mitten im höchsten Hochsommer freue ich mich natürlich auch schon so richtig und es macht schon allein Spaß, die ganzen Vorbereitungen zu treffen! Ich werde euch dann natürlich auch ausführlichst von meinen Ferienerlebnissen erzählen. ;-)



Bis dahin liegen nur noch wenige Wochen fleißiger Arbeit vor mir und falls ich nicht vorher von der Sonne zu einem heißen Haufen Asche verwandelt werde, werde ich natürlich auch bis zum Schluss voll dabei bleiben. Also ganz anders als noch zu Schulzeiten, wenn es auf die Ferien zuging. ;-D

Ich hoffe, ihr seid auch wohlauf und sende euch in alle Himmelsrichtungen strahlend-sonnige Grüße aus Muizenberg!

Wie immmer: Bis bald!

Lukas

Freitag, 8. November 2013

Viel Frühlings-Action

Hi Leute,

hiermit erweise ich auch dem November die Ehre, in meiner Blog-Chronik aufzutauchen. November! Schon! Oder: erst? Keine Ahnung. Meine neue Umgebung ist mir mittlerweile schon so vertraut, dass der Alltag die Tage wie ein Weltmeister vom Kalender reist. Und jeder einzelne davon besteht nach wie vor aus 24 Stunden Erlebnis pur, was vielleicht schwer vorstellbar, aber Tatsache ist. Die ein oder anderen Ereignisse stechen natürlich besonders heraus. Heute beginne ich mal abseits vom Projekt.

Der Bluebird-Market findet jeden Freitag in der Bluebird-Garage Muizenberg statt und platzt jede Woche wieder aus allen Nähten - vor Leuten und Waren gleichermaßen. An einem Bücherstand sind meine Augen am Titel "Hiking in Cape Town" hängengeblieben und haben im Index das Kapitel "Muizenberg Cave" entdeckt. Der Text hat nicht weiter interessiert, nachdem die ersten Zeilen schon von einer Höhle irgendwo in den Bergen erzählten. Allein die Karte daneben wurde mit einer Handykamera abgelichtet und es stand fest: da müssen wir hin!

Ein Blick aus dem Fenster am Wandertag verriet: oha, Nebel. Nach einigem Hin und Her sind wir dann aber trotzdem losgezogen, Alex, Nils und ich. Kaum hatten wir die ersten Höhenmeter hinter uns gelassen, waren wir nicht nur klatschnass von der Wolke, in der wir uns von da an befanden, sondern hatten auch noch gerade mal zehn Meter Sicht. Weil es aber trotzdem warm war und wir am Fuße des Berges eine detailliertere Karte auf einem Schild gefunden hatten, sind wir motiviert weitergegangen. Erst über den Gipfel des St James Peak, dann über ein riesiges Plateau. So muss es jedenfalls laut der Karte gewesen sein, in Wirklichkeit hatten wir ja nicht den Hauch einer Ahnung, wo wir uns eigentlich gerade befanden, abgesehen von den sechs Quadratmetern um uns herum. 
Gipfel des St James Peak
So wurden aus der Stunde, die auf dem Schild als Laufzeit angegeben war, gute drei Stunden des Herumirrens im Irgendwo. Ich hatte dabei (zugegebenermaßen) ständig behauptet, jetzt endgültig den richtigen Weg gefunden zu haben, nur um mich nach ein paar Kilometern Marsch wieder dagegen zu entscheiden; wurde dann aber von der Besatzung dreier Bergwacht-Jeeps (Stunden später) eines Besseren belehrt. Der Ranger am Steuer hatte sichtlich Spaß an uns drei Witzbolden, die an der richtigen Abbiegung eigentlich schon fünfmal vorbeigestiefelt sind. Den Job als Navigator hab ich an den Nagel hängen dürfen, aber wenigstens wussten wir jetzt, wo die Höhle war - und die Suche hat sich gelohnt! Minuten später standen wir schon vor der gewaltigen Öffnung der Muizenberg Cave, in der wir später auf allen Vieren irgendwelche engen Tunnel rauf- und runtergerobbt sind, bewaffnet einzig und allein mit einer Minifunzel von Taschenlampe und zwei dreckigen Nokia-Displays zur Beleuchtung.
Die Klamotten waren das Nächste, was wir den Nagel hängen konnten, aber dafür hatten wir unseren Spaß. Beim Aufstieg waren uns noch drei alte Leute mit Hund begegnet, im Begriff umzudrehen, die uns von unzähligen Caves in den Bergen bei Kalk Bay erzählt hatten. Denen wollen wir jetzt natürlich auch mal einen Besuch abstatten, vielleicht aber dann bei Wetterverhältnissen, die auch ein Foto auf fünf Meter Distanz zulassen. ;D

Wer sich an die Fußball-WM 2010 in Südafrika erinnert, vermisst bei aktuellen TV-Übertragungen vielleicht auch noch den alles-übertönenden Bienenstock-Sound der Vuvuzelas. Wie sowas Stimmung machen kann, war mir damals ein Rätsel - jetzt hängt eine der Tröten in meinem Zimmer. Wie's kommt?
Ajax Cape Town ist momentan der einzige Erstliga-Fußballclub hier im Western Cape und als "Fahrstuhl"-Mannschaft eigentlich ständiger Außenseiter. Diese Saison mischt Ajax wieder in der PSL mit und empfing vergangenen Dienstag die legendären Kaizer Chiefs aus Johannesburg, neben den Orlando Pirates der eigentlich einzige namhafte Club in Südafrika. Zu diesem Anlass ließ man im Cape Town Stadium, der einstigen WM-Spielstätte den Ball rollen. Tickets für die Spiele gibts in jedem Supermarkt für umgerechnet gute 5€. (FÜNF EURO! In einem 80.000er-Stadion! Daran könnten sich die Bundesliga-Stadionbetreiber mal ein Beispiel nehmen!). Da waren wir Centre-Freiwillige natürlich nicht weit. Wir erlebten ein bis zum Ende spannendes und überraschenderweise ausgeglichenes Spiel, das mit der Sensation endete: in der Schlussphase fiel tatsächlich das 1-0 Siegtor für Kapstadt!

Die Gäste-Fans, die im Stadion deutlich in der Überzahl waren (kaum jemand ist NICHT Chiefs- oder Pirates-Fan), waren plötzlich still - damit hätte keiner gerechnet. Trotzdem war die Stimmung von der ersten bis zur letzten Minute da und manche Blocks waren quasi nur dazu da, um zur Tanzfläche umfunktioniert zu werden. Am nächsten Morgen galten die Schlagzeilen nur noch dem kapstädter Sieg im David-gegen-Goliath-Match. Es war insgesamt ein sehr aufregender Abend und ich war bestimmt nicht das letzte Mal bei einem Ajax-Spiel!

Was wir alles in unserer Freizeit erleben, verdienen wir uns unter der Woche natürlich hart in den Townships.
Stellt euch bitte mal 320 Fußmatten-artige Teppiche vor, die aneinandergereiht eine große Teppich-Fläche ergeben. Fertig? Okay, so sieht unsere Terasse im Educare aus. Jedenfalls VOR der Outdoor-Playtime. Danach kommt es einem vor, als hätte jemand versucht, den überdachten Bereich mit einer LKW-Ladung Sand zu verdecken - ernsthaft: Kinder sind manchmal richtige Dreckspatzen. Warum nicht einfach den Sandkasten auf die Terasse verlegen, dann ist es nicht so weit zur Toilette? Naja, jedenfalls kann die tägliche Halbwüste vor der Haustür nicht bleiben und muss stets beseitigt werden. Geputzt wird, wenn die Kinder schlafen. Das Ganze teilt sich in den Abwasch vom Mittagessen, Wischen in den Toiletten und eben der Teppichreinigung draußen auf. Ich übernehme meistens letztere Aufgabe, was mittlerweile aber irgendwie als selbstverständlich angenommen wird.
Im Vordergrund kann man einen kleinen Teil der
Teppich-Terrasse sehen, frisch ausgeschüttelt.
Nun ist es ja so, dass hier gerade der Sommer kommt und die Kinder immer mittags (!) schlafen. Deshalb verbringe ich halt die heißesten Stunden am Tag damit, hunderte Teppiche einzeln aufzuheben, zu schütteln und wieder an ihren rechten Platz zu legen. Das ist einigermaßen anstrengend, aber ich beklage mich keinesfalls. Nach so viel Action am Vormittag ist es eigentlich immer genau das Richtige, um sich seinen "Feierabend" verdient zu machen und sonderlich viel denken muss man dabei auch nicht.
Konzentration ist viel mehr in meinem neuen Job als Masseur gefragt. Ein fünfteiliger, wöchentlicher Workshop hat uns Freiwillige dazu ausgebildet, Kinder (im Speziellen) zu massieren. Das Ganze beruht auf der Idee, verhaltensauffälligen Kids durch Berührung neue Möglichkeiten zur Entfaltung zu geben. Gut, das hört sich jetzt ein wenig esotherisch an, Berührung ist aber eigentlich elementarer Bestandteil der normalen kindlichen Entwicklung. Viele Kinder im Township erfahren in ihren Familien zu wenig bis gar keine "guten" Berührungen wie z.B. Streicheln, Tätscheln, etc., aus welchen Gründen auch immer. Denkt man mal an seine eigene Kindheit zurück, bemerkt man vielleicht, was für einen großen Teil das bspw. in der Beziehung zu seinen Eltern oder wem auch immer ausmacht. Manche Kinder werden stattdessen einfach mit Spielzeugen überhäuft und dadurch oft zu egoistischen, gemeinen und gewalttätigen Wesen. Mit wiederum Anderen passiert einfach gar nichts, was sich in einer apathischen Körpersprache zeigen kann, d.h. ein Kind starrt einfach nur in die Luft, lacht und spricht nicht und hat folglich auch keinerlei Verbindung zu den anderen Kindern. Genau kann man die Ursache nie bestimmen, es könnte sich jeweils auch um ein Trauma oder Ähnliches handeln. Die Massage kann da tatsächlich eine wegweisende Therapie für solche Kinder sein. Ein extrem hyperaktiver Junge und gleichzeitig die größte Heulsuse in Noxolo wirkt danach z.B. immer wie ausgewechselt und spielt total friedlich mit den anderen. Nur regelmäßige Behandlungen können langfristig was bewirken.
Bei der Massage selbst geht es nicht ums Drücken und Kneten, sondern viel mehr ums Streichen und die Wärmeabgabe dabei. Je nach Technik kann man über die Blutzirkulation beruhigend oder "aktivierend" auf das Kind einwirken. Das alles muss in einem abgesonderten, stillen Raum stattfinden und es wird teilweise mit Öl gearbeitet. Über jede Vorher- / Nachher-Beobachtung führe ich genau Protokoll, was später Studien zum Thema Heilpädagogik und Baby- / Kindermassage dienen soll.

Die Massage-Aufgabe beschert mir noch zusätzliche Abwechslung im generell schon bunten Kindergarten-Alltag. Und wenn man sieht, was man durch so wenig Aufwand schon bewirken kann - es macht die Kinderwelt eine Zeit lang gewissermaßen "heile" -, ist man auch immer mit voller Motivation bei der Sache. ;)


So viel mal für heute. Ich hab natürlich noch einige Stories auf Lager, die ich aber bei anderer Gelegenheit mal mit euch teile.
Zum Beispiel die über meine Erfahrungen mit südafrikanischem Tischtennis. Da gehe ich jetzt nämlich hin, ins Training.

Also, haut rein und schreibt mir wie immer gerne, egal was es ist. ;-)

Bis bald!

euer Lukas