Dienstag, 22. April 2014

Fun, Fun, Fun! :)

Servus!
(... wie lange ich das schon nicht mehr gesagt habe! ^^)

Tja liebe Leute, ich habe seit Freitag meine zweiten Ferien! Und die genieße ich sehr. Ich mag meine Arbeit ja wirklich gerne, aber nach drei Monaten Durchpowern reicht es auch irgendwann mal wieder. Die zwei Wochen kommen mir also sehr gelegen. Was ich da noch so vorhabe, erzähle ich euch zum Schluss, denn zuerst muss ich euch ja noch vom April berichten. ;)


Die letzten Tage im Khanyisa waren eigentlich sehr entspannt. Das ist den Osterferien der Zenzeleni-Waldorfschule in Khayelitsha geschuldet, denn die hatte geschlossen und zwei Schulkinder verbrachten ihre freie Zeit deshalb im Kindergarten - das klingt komisch, aber das Educare ist scheinbar auch für Ältere noch ein attraktiver Ort zum Spielen und Lernen. Die großen Kids zähmen die Kleinen jedenfalls irgendwie, sodass es nicht so oft zu Streit und Tränen kommt.
Der Minibus zum KFC füllt sich.
Und sie bringen immer ganz gute Ideen für die Gruppe mit: einmal spielten alle zwölf Kinder zusammen "Taxi fahren", wobei ich der Drive-Through bei KFC sein durfte. Da gehe man nämlich am Sonntag zum Essen hin, hat man mir erklärt... Warum eigentlich Zwölf? Ja, wir haben noch Zuwachs bekommen. Eigentlich sind jetzt sogar dreizehn Kinder angemeldet, aber das eine Mädchen ist gerade mal zweieinhalb Monate alt und nimmt von daher höchstens akustisch am Kindergartenalltag teil.
Die kurzen Pausen dazwischen nutze ich jetzt oft, um selbst etwas Musik zu machen. Ich spiele zwar kein Instrument, aber in die Mini-Trommel und das Vier-Tasten-Klavier aus der Spielzeugkiste bin ich ja schon ein bisschen vernarrt. :D Und die Kinder tanzen eh zu allem, was sich irgendwie nach Rhytmus anhört, da reicht schon ein Radio im vorbeifahrenden Auto. Somit habe ich jetzt inoffiziell die "Dancing-Time" im Programm integriert, die immer wieder ein Highlight ist. ;D
Der Toilettenbau hat leider noch nicht beginnen können, weil der Händler uns preismäßig übers Ohr hauen wollte und wir jetzt auf der Suche nach einem anderen sind. Dafür haben wir uns vorgenommen, im Mai oder Juni nochmal einen Ausflug zu machen. Vielleicht sogar nach Muizenberg! Irgendwo ans Meer soll es jedenfalls gehen. ;)

Der Centre-Garten bietet jetzt ein neues optisches Highlight: ein riesiger Bootsmast reckt sich, in einem Reifenturm befestigt, gen Himmel. Oben drauf soll später mal eine kleine Windturbine installiert werden, die ein bisschen Strom für die Gärtner-Hütte erzeugen kann. Unser zweites Projekt ist dagegen etwas unsanft gestoppt worden. Wir wollten einen Fischteich im hinteren Bereich des Gartens anlegen, der nicht nur schön aussehen, sondern auch bei der Bewässerung der Beete und zur Herstellung von Dünger dienen sollte.

Nachdem wir einige Stunden in der stechenden Hitze eine knapp 2m-tiefe Grube geschaufelt hatten, kam ein CCE-Büromensch vorbei und hat uns verboten, mit der Untertunnelung des Geländes weiterzumachen. Warum genau, wollen wir noch herausfinden, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. So ein Teich wäre ja schon schick! ^^

Apropos "letztes Wort", einige von euch fragen mich ja auch immer deswegen: mit meinem alten Kindergarten hatte ich keinen Kontakt mehr bis jetzt. Ich kann von mir aus sowieso nichts mehr machen, man müsste mich ja erst "zurückfordern". Und selbst wenn das geschähe, würde ich vermutlich kein zweites Mal wechseln. Ich bin sehr glücklich mit meinem neuen Arbeitsplatz, auch wenn ich noch glücklicher gewesen wäre, wenn ich mir gar nicht erst einen neuen hätte aussuchen müssen. Wie ich damals schon geschrieben habe, ist nunmal nichts mehr daran zu ändern, dass es sich geändert hat.

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Weiter geht es neben der Arbeit und da hatten die letzten Wochen echt was zu bieten!
Ich hatte mein erstes Tischtennis-Punktspiel in der Second League und war sehr zufrieden mit dem Abend. Zwar verloren wir gegen den Cape Town Military Sports Club mit 4:6, aber alle vier Punkte gingen auf mein Konto (Sieg in drei Einzeln und einem Doppel). Beim Rest der Mannschaft hat einfach immer die Konsequenz am Ende gefehlt, sodass es leider zu keinem Sieg gereicht hat. Trotzdem: der CTMSC war letztes Jahr immerhin Ligameister (stieg aber nicht auf), von daher ist das in dieser Knappheit ein gutes Ergebnis. Das nächste Match ist erst Anfang Mai.

Am darauffolgenden Wochenende haben wir uns in der WG spontan für einen Kurzurlaub entschieden, am Paradise Beach! Und besser hätten wir uns echt nicht entscheiden können. Ich war ja schon an vielen Stränden, aber DAS hat echt den Vogel abgeschossen! Mit zwei Mietautos und drei Zelten hatten wir einen traumhaften Platz in erster Reihe auf dem Kogel Bay Campingplatz und so gut wie alleine waren wir auch noch.

...unsere Botschaft aus Algen
Warum eigentlich?? Bei dem Über-Beach müsste da eigentlich so richtig der Bär steppen, aber nein... ach ich kann es gar nicht in Worte fassen! Vielleicht muss man noch dazusagen, dass es mit die heißesten Tage waren, die wir hier am Kap je hatten. Windstille bei 36°C im Schatten konnten es mit dem Tag in Botswana auf unserem Roadtrip locker aufnehmen! Es war einfach SO heiß! Da kam das Meer gerade recht, das genau die richtige kühle Temperatur hatte. Dazu ein Ball, den man über den Sand dreschen kann, eine Feuerstelle zum Grillen und kühles Bier bei einem bombigen Sonnenuntergang - woah, war das perfekt!! Da fährt man einmal die False Bay runter und ist direkt im Paradies - der Strand hat seinen Namen wirklich verdient. Auch noch sehr cool: wir haben jeder umgerechnet 20€ dafür gezahlt. Für drei Nächte auf dem Platz, inklusive zweimal Grillen und Frühstück und Getränke und allem... man. Wenn jetzt nicht Herbst wäre würden wir wahrscheinlich jede zweite Woche dort hinfahren. :D




Für die nächste Zeit werde ich vom Fahren aber wahrscheinlich eh genug haben. Ab morgen Mittag reise ich nämlich mit dem Bus nach Johannesburg. Das dauert 19 Stunden laut Plan. In Jo'burg besuche ich Christian, der seinen Freiwilligendienst an der Inkanyezi Waldorf School im Township Alexandra absolviert (-> Blog in der rechten Spalte). Mal sehen, was uns da so einfällt. Für mich ist auch der Tapetenwechsel wichtig, mal weg von Zuhause! Gauteng habe ich ja auch noch nicht so genau unter die Lupe genommen, abgesehen vom besten Silvester aller Zeiten, das ich dort hatte. Meine Güte, das ist ja jetzt auch schon fast 5 Monate her!
Diese Zeit! Nach diesen Ferien sind es ja nur acht Wochen bis zu den nächsten und dann steht auch schon bald der letzte Monat an... Wahnsinn.

Naja! Alles neu macht bekanntlich der Mai, also mal sehen was noch auf mich zukommt. Ihr erfahrt bei Gelegenheit davon! ;)

Haut rein und macht es gut.

Bis bald!

uLukassi

Dienstag, 1. April 2014

Dies und Das zum April

Howzit!

Na, habt ihr einen schönen Frühlings-, bzw. Herbstanfang gehabt? Ich jedenfalls schon, es ist wieder eine Menge los gewesen! Los geht's in Muizenberg:


Endlich habe ich mir einen lang ersehnten Wunsch erfüllt und ein Fahrrad gekauft! Etwas ganz einfaches, aber es ist mir viel wert. Blau, sechs Gänge, mehr nicht. Fast habe ich vergessen, wie man es fährt, wirklich ein wunderbares Gefühl nach so langer Zeit. :)

Und hier lohnt es sich wirklich. Auch wenn der Sommer eigentlich vorbei ist, kann man am ein oder anderen etwas wärmeren Tag noch richtig Spaß haben auf den weltberühmten Panorama-Straßen hier. Bei dieser Schönheit verfluche ich meine begrenzte Zeit hier nicht selten. Da krallt man jetzt schon die Fingernägel ins Geländer. An manchen Stellen könnte ich einfach den ganzen Tag stehen und nur stumm zuschauen! Ich zeige euch mal ein paar davon (zum Vergrößern anklicken):

 

 





von o. links nach u. rechts:
Blick auf den Tafelberg aus dem Zandvlei Park; aus Muizenberg; Long Beach in Noordhoek; Chapman's Peak Drive; Hout Bay; Kalk Bay & Fish Hoek bei Nacht
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So, heute mal wieder ein kleiner "Spontan-Roman":

Letztes Wochenende war ich auf eine Hochzeit eingeladen. Der Sohn der Principal einer Mitfreiwilligen hat geheiratet - also bekannt über drei Ecken - und alle Deutschen waren scheinbar willkommen. Ich sage euch: es war von vorne bis hinten eine einzige Party!
Schon als wir um 8 Uhr morgens am Kindergarten in Samora Machel ankamen, von wo aus wir im Korso zur Veranstaltung fahren sollten, wurden wir mit riesigem Geschrei, Liedern und Tänzen auf der Straße empfangen. Es wurde dann tatsächlich 11 Uhr, bis wir von diesem Ort wieder wegkamen, aber darauf hatten wir uns eingestellt. Ich unterhielt mich ganz nett mit einem der sieben Pastoren, die die Trauung begleiten sollten. Er war extra für diesen Tag aus dem fernen East London angereist und schon richtig aufgeregt. Auch den Vater des Bräutigams konnte ich irgendwie in meinen Bann schlagen, nachdem er mich über den Berliner Mauerfall 1989 ausgefragt hatte, den sie in der Transkei angeblich besonders zelebriert haben.

Insgesamt dreizehn deutsche Freiwillige folgten dem Autokorso schließlich an die Community Hall in Philippi, wo sich schon viele andere Gäste versammelt hatten. Die Halle war richtig schön geschmückt! Es gab eine große Bühne, viel zu laute Musik und Platz für gut 250 Menschen - der nicht ausreichte, denn am Ende mussten sogar noch welche stehen. Es war eine "White Wedding", also keine traditionelle Xhosa-Hochzeit, aber trotzdem aus europäischer Sicht etwas Grundverschiedenes. Ständig wurde ein neues Lied angestimmt, in das alle einfielen, klatschten, stampften, und hinein riefen. Ein Höhepunkt war natürlich die Ankunft des Brautpaars in einer schicken Hyundai-Limousine. Da tanzten die Angehörigen der Braut und die des Bräutigams in gewisser Weise gegeneinander um die Wette.
Anschließend wurden die Gruppen nacheinander begrüßt und im Saal auf die Tische verteilt. Die ganze Feier wurde ab sofort von einem Mann auf der Bühne moderiert, glücklicherweise auch z.T. mit englischer Übersetzung, und war sehr religiös gehalten. Jede Ansprache endete mit einem kollektiven "Halleluja" und "Amen". Der Einmarsch des Brautpaars über einen roten Teppich brachte dann die Halle zum Kochen, die Menschen sind einfach total ausgerastet! Einige Showeinlagen später begann dann der Gottesdienst mit der Trauung, der wiederum in eine After-Wedding-Party überging. Das Ehepaar saß nun auf Ehrenplätzen auf der Bühne, von wo weiterhin viel zu laute Musik eingespielt und ausgelassen getanzt wurde. Viel mehr passierte dann auch nicht mehr, bis es irgendwann gegen 16 Uhr Mittagessen gab.

Irgendwie hatten die anderen es plötzlich eilig, zu verschwinden. Als ich endlich verstand, warum, war es allerdings auch schon zu spät. Wir waren scheinbar die einzigen Gäste, die soetwas wie ein Hochzeitsgeschenk mitgebracht hatten! Das kannte man dort nicht. "You must go on the stage!", forderte uns deshalb der Mauerfall-Schwiegervater in spe auf und ging direkt voraus. Ohje... Keine andere Wahl habend, kamen wir also mit ein paar Handtüchern (für die neue Wohnung) und Decken als Geschenk auf die Bühne und es war schlagartig viel stiller im Saal. "Wenn ihr Deutschland noch nicht kanntet, das da ist Deutschland.", wurden wir vorgestellt. "Ihr wisst doch noch, als 1989 die Wall of Shame gefallen ist, wie laut wir da auf die Trommeln geschlagen haben!", erinnerte der alte Mann und bekam sogleich positive Resonanz. "Ich weiß nicht, was in diesem Umschlag ist", fuhr er fort, "aber es ist aus Deutschland. Für Südafrika und jetzt für meinen Sohn und seine Braut.". Damit drehte er sich um, übergab den lila Umschlag, in dem ein paar Geldscheine steckten, und den Decken- / Handtuchberg und erklärte "Hier, das ist aus Deutschland. Aus Deutschland! Denkt daran und behandelt es immer sorgsam.". Einigen Worten auf Xhosa folgte schließlich ein bedeutungsschwangerer Blick in unsere Richtung. "Möchtet ihr was sagen?" - öh. Derart überrascht wollte irgendwie keiner so recht.
Ich musse unter einem Fluch gestanden haben. Ich bin mir sicher, irgendeine schwarze Magie bewegte in dem Moment mein rechtes Bein vorwärts! Es war der eine Moment, in dem ich dachte "nichts zu sagen wäre jetzt aber auch peinlich...". Und ehe ich mich versah, stand ich schon vorne, hatte das Mikrofon in der Hand und knapp 300 Augenpaare auf mich gerichtet. Oh man. Für einen Moment überlegte ich, ob ich was auf isiXhosa sagen sollte, entschied mich aber sofort wieder dagegen. "Äh, hello.", reiße ich das Publikum von der ersten Sekunde an mit, "ich wollte bloß sagen, das war ja eine ganz nette Hochzeit bis jetzt.", fällt mir als nächstes ein. "Auf jeden Fall wünsche ich den beiden mal ein langes und glückliches Leben zusammen, hehe."... "Ach und herzlichen Glückwunsch." - damit gab ich das Mikro wieder ab und erntete meinen verdienten Applaus. Huh.
Die Erfahrungen, die ich aus diesem Tag mitgenommen habe, sind mir echt einiges wert. Das war schon echt toll! Und das Beste war am Ende noch, dass wir unseren mitgebrachten Kuchen auf dem Beifahrersitz vergessen hatten und damit alles für uns übrig blieb. Happy, happy end! ;)
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Im Gardening sind wir mittlerweile nur noch zu viert im Durchschnitt. Ich bin letztens auch zum Bewässerer ernannt worden, was bedeutet, dass ich jeden Freitag das ganze Centre-Gelände gießen darf. Ansonsten machen wir gerade viel abseits der Beete. Wir bauen Blumenkästen aus alten Paletten, indem wir Bretter und Nägel recyclen, bauen Zäune aus Autoreifen, heben Sandgruben aus, installieren eine Pumpe, oder zersägen dicke Äste - die ergeben in kleinen Einzelteilen eine schöne Umrandung für die Beete.


Der Sprachkurs hat derweil ein neues Niveau erreicht: regelmäßige Hausaufgaben, immer mal wieder Fachvokabular aus verschiedenen Bereichen und neulich sogar das erste Diktat! Das war schon echt schwierig, denn wir haben es in der Geschwindigkeit vorgelesen bekommen, wie man sich auch normalerweise unterhalten würde. Der Wortschatz erweitert sich dann um Tiernamen, Farben, Jahreszeiten...

So, was war noch? Achja, die Sabantwana-Homepage ist endlich wieder schön! Die Texte müssen zwar noch überarbeitet werden, aber es kann sich schon sehen lassen. Ich bin auch zu sehen, schaut doch mal rein unter www.sabantwana.de/team.
Von Sabantwana-Geldern wird auch schon das nächste Projekt im Khanyisa finanziert: Toiletten! Der Plastikeimer soll endgültig Geschichte werden. Wir haben bereits eine Toilette bestellt und werden dafür noch ein Dach als Erweiterung zur Plumsklo-Hütte bauen, damit das gute Ding nicht nass wird. Das alles passiert wahrscheinlich nächste oder übernächste Woche.



Und dann? Dann sind auch schon Ferien! Zwei Wochen ab Ostermontag sind frei. Groß geplant habe ich noch nichts, aber höchstwahrscheinlich steht unter anderem eine Busreise nach Johannesburg an, "Tim" besuchen. Und natürlich Fahrradfahren. ;)

Von alldem hört ihr dann zu gegebener Zeit! Ich wünsche euch bis dahin eine schöne Zeit und mehr Sonne als hier momentan zu sehen ist (gar keine)! ^^


Bis bald!

Lukas

Montag, 17. März 2014

Ausflug nach Kirstenbosch


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Seit geschlagenen zwei Stunden warte ich schon am Haupteingang, als endlich der Minibus aus Khayelitsha am botanischen Garten von Kirstenbosch ankommt. Die Fahrgäste sind drei Frauen, neun Kinder und zwei Babys und kommen aus dem Khanyisa Educare in Town II. Der heutige Ausflug ist inklusive Fahrt und Verpflegung komplett durch Spendengelder ermöglicht worden. Einen Teil davon tausche ich am Eingang gegen Tickets ein. Der Busfahrer steht erst eine Weile unschlüssig bei der Gruppe, kann dann aber nicht mehr den Blick vom Garten abwenden - und entscheidet sich schließlich, uns zu begleiten.

Alle waren extrem aufgeregt und bester Dinge. Der kleine Springbrunnen am Eingang war ja schon eine mehrminütige Besichtigung wert, aber was sich dann für ein Anblick hinter dem Ticketschalter bot, übertraf alle Vorstellungen. So viel GRÜN! Und ein Bach und Bäume und Blumen und Vögel und Insekten und Steine und der Tafelberg! Die Erzieherinnen und der Fahrer könnten sicherlich stundenlang einfach fünf Meter hinter dem Eingang wie angewurzelt stehen bleiben, aber wir haben ja schließlich Kinder dabei. Die legen sofort los und lassen keine Gelegenheit aus, urplötzlich in irgendeine Richtung wegzurennen, Perlhühner zu jagen oder auf den Grünflächen zu toben.
Erst mal ist aber Frühstücken angesagt und wir breiten die Picknickdecke unter einem gigantischen Baum am Rande eines Bachlaufs aus. Nach Banane und Joghurt sind alle satt und nehmen die Eroberung des Ultra-Baums in Angriff, dessen riesige Wurzeln und Äste sich optimal als Hindernis-Parcours verwenden lassen. Das Abenteuer wird dann mit der Überquerung des Bachs abgerundet und wir finden uns auf einer großen, abschüssigen Rasenfläche wieder, die in allen Formen (rückwärts, Augen zu, rollen, auf dem Bauch, etc.) runtergerutscht werden muss.



Die Erwachsenen haben indes Schwierigkeiten, die ungewohnte Umgebung zu verarbeiten. Noch nie haben sie sich in so prächtiger Natur bewegt! Wald und Wiesen gibt es in keinem Township der Erde und die Transkei besteht nur aus hügeligem Grasland (was ich widerum vor meinem Urlaub dort auch noch nie in solcher Schönheit gesehen habe). Der Busfahrer, der ursprünglich wieder zurück zum Arbeiten nach Khayelitsha fahren wollte, geht ab sofort auf eigene Faust durch den Garten, um mal alle Bereiche gesehen zu haben.

Unsere nächste Station mit den Kindern sind die Duftpflanzen. Minze, Currybusch, Zitronengras und Co. sind hier zum Reiben und Riechen nebeneinander angepflanzt - das riecht alles wunderbar und das Ausprobieren macht richtig Spaß. In der Abteilung für Medizinpflanzen steht der Nachbau einer originalen Xhosa-Hütte und zieht das Interesse meiner Kolleginnen sofort in seinen Bann. In dem Rundbau befinden sich dann Ausstellungsstücke wie altes, afrikanisches Werkzeug und Möbel. Wärend ich insgeheim den Eingang vor Parkaufsehern abschirme, haben die Frauen sichtlich Freude daran, die Stücke einfach aus ihren Halterungen (beschriftet mit: "Don't touch!") zu nehmen und den Kindern zu erklären, wie man sie im Alltag einsetzen kann. Eine weitere kleine Wanderung später, schlagen wir wieder unser Lager unter einer dicken Eiche auf , wo wir auch den Busfahrer bei einer Pause treffen. Wir servieren Wurstbrote und Saft zum Mittag.

Die anderen Parkbesucher, ausnahmslos weiß, sind stets sehr angetan von unserer Kindergartengruppe und wir lassen uns sogar ab und zu fotografieren. Ich spreche schon den ganzen Tag überwiegend Xhosa und habe das Gefühl, dadurch irgendwie noch zusätzlich bei den Leuten aufzufallen - naja, ist ja vielleicht auch nicht verwunderlich. ;D
Unsere Lunch-Wiese wird nach dem Essen für eine Dreiviertel-Stunde Schauplatz von Spielen wie "Perlhühnern jagen", "Wer kann am längsten rennen ohne hinzufallen?", "Eicheln vs. Bienen" und "Kuckt mal, ich hab Lukas' Sonnenbrille". Das ist irgendwann zuviel des Guten und wir steuern unsere letzte Etappe, eine Quelle im Wald, an. Wir gehen ein Stück den mir schon bekannten Weg hinauf, der auch zum Tafelberg-Aufstieg führt, und biegen dann zu einem kleinen Teich ab, von dem ein Rinnsal abfließt und weiter bergab in einen Bach übergeht. Das ist ein tolles Natur-Schauspiel und die Tatsache, dass das Wasser trinkbar ist und kristallklar schmeckt, muss mehrmals auf seine Richtigkeit überprüft werden.


Nach so einem aufregenden Tag sind alle Beteiligten ziemlich platt. Ein Mädchen schläft glatt im Stehen ein und auf meinen Schultern döst auch etwas geruhsam vor sich hin. Zeit für die Heimfahrt also. Von Biene bis Sonnenschirm wird dem ganzen Garten Byebye gesagt und in den Bus gestiegen. Es war ein unvergesslicher und erlebnisreicher Tag, vor allem - aber nicht nur - für die Kinder! In der kommenden Woche wird die Story-Time dafür genutzt werden, sich ausführlich über den Ausflug zu unterhalten: was haben wir gesehen, wo haben wir gegessen, wie hieß der große Berg und was fandet ihr am besten? Dadurch prägt die Erfahrung im Nachhinein noch viel mehr und es belebt natürlich die Fantasie, die so wichtig ist.


Die Vorstellung, ich wäre mit 5 Jahren noch nie einen Grashügel heruntergekullert, ist mir einfach unvorstellbar. Wie oft war ich als Kind mit meinen Eltern im Wald und anderswo spazieren! Wie viel habe ich dort erlebt und gelernt!
Khayelitsha ist eine große Stadt; die schöne Natur ist weit entfernt und für Township-Familien oft auch gar nicht interessant - sie haben nunmal keine Vorstellung davon. Ausflüge wie der unsrige bedeuten ihnen die Reise in eine andere Welt. Ein Ort ohne Autos und ohne Lärm, so friedlich, still, so natürlich und schön... Ich finde, es ist SO wichtig für Kinder, das regelmäßig zu erleben! Und umso trauriger ist es, dass dieses Erlebnis für manche Menschen einfach unerschwinglicher Luxus ist.

An dieser Stelle auch nochmal VIELEN DANK an unseren Spender in Deutschland, der stolz darauf sein darf, uns das hier ermöglicht zu haben, es war super! :) Und es war bestimmt nicht unser letztes Outing!

Damit genug für heute. Ihr hört von mir, wenn's wieder was zu Erzählen gibt. ;)

Bis bald,

Lukas

... Bilder nach Absprache veröffentlicht ;)

Samstag, 15. März 2014

Halbzeit!

Cheers!

Heute Nacht ist es soweit: die erste Hälfte meines Auslandsjahrs liegt hinter mir, es ist HALBZEIT!! Ist das nicht unglaublich? Vom Gefühl her bin ich eben erst aus dem Mega-Urlaub zurückgekommen, dem ja nun auch keine besonders lange Zeit vorausging! Tja, aber es ist faktisch einfach schon Mitte März. Da kommt so eine völlig falsche Aufbruchstimmung auf, es sind schließlich noch sechs Monate! Trotzdem kreisen die Gedanken immer wieder um die Zukunft - September in Deutschland, far far away...


"We often gotta look for the path - these problems are the good ones to have!"


Nein, meine Zeit ist noch lange nicht gekommen und ich bin eigentlich auch ganz froh darüber. Vor ein paar Tagen haben wir uns in der WG mal die Fotos des vergangenen Halbjahrs angesehen und sind aus dem Nacherzählen gar nicht mehr rausgekommen. So viele aufregende Geschichten verbinden uns schon mit unserem Zuhause an der False Bay! Das fällt einem gar nicht auf. Die ehemals neue Umgebung ist mir mittlerweile voll und ganz vertraut und nur noch sehr außergewöhnliche Situationen bringen einen noch aus der Fassung. Die Herausforderung besteht, jetzt wo man sich auskennt, vielmehr darin, seine Kenntnisse weiterzuentwickeln und sich ab und zu auf Experimente für "Fortgeschrittene" einzulassen - wie z.B. ein neues Projekt zu starten oder mal gekochten Schafskopf zu probieren (Zunge, Wange, Gaumen, Auge, geht eigentlich...). :D

Stimmungsgraph: [fast] alles im grünen Bereich :)

Unter anderem sind wir übrigens wegen des aktuellen Wetters darauf gekommen, uns auf den Anfang zurückzubesinnen. Der Hochsommer neigt sich leider, leider schon früh dem Ende zu. Auch wenn es tagsüber meistens noch wie gewohnt extrem sonnig und heiß wird (Gardening: 34°C), ist es nachts schon ziemlich kalt und die Tage werden kürzer. Auf den südafrikanischen Winter freue ich mich ganz und gar nicht. Durchwachsenes Schmuddelwetter und bitterkalte Nächte, die ich mit drei Pullis und Schlafsack geradeso überlebe - da könnte ich auch drauf verzichten! Aber naja, bin mal gespannt. Mit genug Rooibos-Tee geht das schon (hab da 'nen hohen Verbrauch :D). Und wenn der hiesige Winter so milde wird wie der vergangene in Deutschland - was ich so gehört habe -, brauche ich ja quasi gar nichts zu befürchten. ;)

Im Gardening stellen wir gerade Blumenkästen aus alten Paletten her.

Damit genug für heute, von diesem Thema mit der Zeit wird man bloß nachdenklich. Das muss man auch ab und zu, aber man soll ja auch nach vorne schauen können. Und da gibt es zum Beispiel den Bericht über unseren wirklich wundervollen Kindergarten-Ausflug nach Kirstenbosch vorgestern. Den mache ich in den nächsten Tagen fertig! Heute Abend steht erst mal eine 6-Monate-Party an. Also:

Bis dann!

Lukas

Mit Vollgas in die Zukunft! :D

Samstag, 1. März 2014

Welcome to Khayelitsha! - Arbeit im Khanyisa Educare Centre

Yoh!
Es ist schon wieder März und damit höchste Zeit, euch endlich mal mein neues Educare zu zeigen. Damit ich nicht alles doppelt abtippe, bin ich jetzt einfach mal so bequem und gebe euch den Link zu einem PDF, das ich auf die gerade neu-entstehende Sabantwana-Homepage gestellt habe. Da ist alles schön knapp zusammengefasst und Bilder gibt es auch:

So... wenn ihr jetzt im Bilde seid, kann ich ja ein bisschen von meiner Arbeit und den Khanyisa-Kindern erzählen. ;)

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Ich:               Was willst du denn mal werden, wenn du groß bist?
Tshomi*:     Ein Hund!

*Name geändert, Unterhaltung frei übersetzt


Es ist eine völlig neue Aufgabe geworden. Ich bin nicht mehr alleine in der Klasse, der Zeitplan wird genau eingehalten und meine Anwesenheit polarisiert das Umfeld viel mehr. Nicht, dass es dadurch einfacher geworden wäre! Auf engstem Raum zehn Kinder (vielleicht bald zwölf) mit einem Altersunterschied von 1 bis 6 Jahren zu betreuen, beschäftigen und versorgen ist manchmal durchaus ein Knochenjob.
Beim Frühstück müssen die beiden ganz kleinen Mädchen gefüttert werden. Der Morgenkreis geht dann immer recht lange und ändert sich inhaltlich nur minimal - die meisten Sachen kann ich auch schon auf isiXhosa mitmachen. Mit dem Lied "Siyahamba emsebenzini" (wir gehen zur Arbeit) werden die Maltische draußen gestürmt, schließlich will jeder die coolste Kreide mit dem Frosch drauf haben. Die verschwindet dann auf mysteriöse Weise in meiner Hosentasche und der Weg ist frei für die Kunst. Das Vorschulkind kriegt immer eine kleine Aufgabe und malt meistens erkennbare Dinge (Auto, Haus, Lukassi), wogegen die Kleinen erst noch ihren Stil in diversen Schraffurtechniken ausprobieren können. Anschließend ist die erste Free Playtime, bei der ich mir immer für jeden Tag gezielt nur ein Spielzeug aussuche und mich damit beschäftige, quasi zum Abschauen und Mitmachen. Dadurch lernen die Kids, wie man mit den Sachen umgeht und dass man sie auf keinen Fall isst. Zwischendurch ist Snacktime, wobei Obst und Joghurt gefüttert werden und der Angeber mit der coolsten Pokémon-Brotzeitdose ruhiggestellt wird. Nach der zweiten Playtime ist Storytime, was nach dem Spielen in puncto 'ruhig Zuhören' nicht immer ganz einfach ist. Pro Woche wird auch immer nur ein Buch vorgelesen. Dadurch lernen die Kinder die Geschichte immer besser kennen, können sie irgendwann sogar ganz aufgeregt miterzählen und freuen sich trotzdem immer wieder auf die "Pointe" und die Bilder. Ich lese dabei auf Englisch vor, die Teacherin übersetzt. Während dem Mittagessen bereite ich die Schlafmatten vor und weise dann jedem seinen Platz zu.
Bis dann der Transport kommt, habe ich die unterschiedlichsten Aufgaben. Mit dem Sohn meiner Principal habe ich sogar schon nähen müssen - Nähen! Wir hatten zwar beide von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber irgendwie haben wir tatsächlich mal einen dreifarbigen Stoffball hergestellt. Ein andermal haben wir eine Holzstange (vermutlich ein ehemaliger Besenstiel) an Seilen befestigt, über einen Dachbalken geworfen und festgezurrt - eine sehr einfache, aber taugliche Schaukel. Dazu kommt auch noch immer ein bisschen Sprachunterricht: Meine Xhosa-Aufzeichnungen und -Kenntnisse haben sehr großen Eindruck gemacht. Seitdem lasse ich mir immer eine Weile aus einem Wörterbuch vorlesen und tue auch bei Vokabeln wie "Topflappen" und "Schaltgetriebe" schön interessiert. ;)


In Khayelitsha zu arbeiten ist also schon eine ganz andere, neue Erfahrung. Auch für die Town Two-Bewohner, die immer mal wieder zufällig vorbeikommen um mich zu begutachten und kennenzulernen. Sogar der Community-"Bürgermeister" war mal zu Gast! Und die Eltern sind sowieso begeistert von dem, was sich in dieser unscheinbaren Kindergarten-Hütte plötzlich tut.
In zwei Wochen werden wir dank Spendengelder sogar einen Ausflug in den Garten von Kirstenbosch machen können. Das wird sicherlich ein sehr schöner Tag für die Kinder! Außerdem verhandeln wir gerade mit dem Noluthando Daycare in der I-Section. Noluthando ist der größte zum CCE gehörende Kindergarten und besitzt einen riesigen Spielplatz - und bei über 350 Kindern (!) fallen unsere zehn Khanyisa-Kids nicht wirklich ins Gewicht. Wir könnten also z.B. einmal in der Woche zum Spielen ins Noluthando gehen! Es bliebe nur noch eine Frage des Transports und dessen Finanzierung, aber wir arbeiten daran. ;)

Die Arbeit gefällt mir bisher ganz gut, auch wenn es an manchen Tagen wirklich an die Stressgrenze geht. Das Noxolo Educare fehlt mir trotzdem immer noch. Ich fürchte mal, da kommt bald eine schwere Entscheidung auf mich zu! Aber man wird sehen.


Dafür geht es in der Freizeit gut aufwärts, denn ich werde kommende Saison in der Second Division den Tischtennisschläger schwingen. Das ist immerhin die dritthöchste Spielklasse im Western Cape, dem mit Abstand größten südafrikanischen TT-Regionalverband. Ich werde also auf jeden Fall ziemlich gefordert sein, aber ich freue natürlich seeehr darauf! :)




Am Mittwoch-Abend haben wir Rapture 2014 besucht. Eminem, die lebende Rap-Legende, hat eine gigantische Show für Cape Town hingelegt! Das Konzert fand im ausverkauften WM-Stadion statt und war von von Anfang bis Ende der absolute Hammer! Unvergesslich!



Sooo und dann habe ich gerade auch noch die Einladung zu meinem Rückkehrseminar in Deutschland erhalten. Man, es ist schon März?! Auf der anderen Seite... wer spricht denn schon von Rückkehr? Ich kann (und will) es mir noch gar nicht vorstellen. ^^

Tja. Also das war's dann wohl für heute. Ihr hört dann wieder von mir, wenn ich genug zu Erzählen habe, z.B. von dem Ausflug. :)

Bis bald!

Lukas

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Die angenehmsten = die langweiligsten Orte der Welt?
Hier ist ein Song, den ich gerade sehr gerne höre! ;)